Dickdarmchirurgie

Chirurgische Eingriffe am Dickdarm betreffen gutartige und bösartige Tumore, Entzündungen und seltener auch funktionelle Störungen.

Trotz Vorsorgeuntersuchungen zählt Darmkrebs immer noch zu den häufigsten Krebsarten. Mit einer Darmspiegelung (Koloskopie) können Neubildungen des Darms frühzeitig erkannt und Darmkrebs sogar vermieden werden. Welche Erkrankungen des Dickdarms gibt es?

Gutartige Tumore (Adenome, Polypen)

Sie stellen eine häufige Dickdarmerkrankung dar und betreffen 25 % unserer Bevölkerung ab dem 50. Lebensjahr. Gutartige Tumore können kugelig, gestielt oder rasenförmig geformt sein und sind meistens symptomfrei. Sie entwickeln sich in der Regel langsam, ab einem Durchmesser von 2-3 cm steigt das Entartungsrisiko, d. h. das Risiko von gutartigen Zellen/Gewebe bösartig zu werden, deutlich an. Diese Größe wird ca. nach 7-8 Jahren erreicht.

Darmkrebs ist eine der wenigen Krebsarten, bei denen es wirksame Methoden zur Früherkennung gibt. Deshalb sollte eine Koloskopie spätestens ab dem 50. Lebensjahr alle 5 Jahre durchgeführt werden. Das Ziel dieser Untersuchung ist es, alle Polypen im noch gutartigen Stadium zu therapieren und so die Dickdarmkrebs-Häufigkeit zu senken. Dies konnte in den letzten Jahren im Rahmen von medizinischen Studien auch eindeutig bewiesen werden.

Werden gutartige Tumore entdeckt, sollte die endoskopische Entfernung im Rahmen einer Koloskopie erfolgen. Mit zunehmendem Durchmesser oder besonderer Lage eines Adenoms ist eventuell eine endoskopische Entfernung nicht möglich oder zu risikoreich. Dann ist auch bei Gutartigkeit die chirurgische Entfernung des betroffenen Darmsegmentes notwendig, was heute meist in laparoskopischer Technik möglich ist.

Bösartige Tumore (Colorektales Karzinom)

Sie stellen das zweithäufigste Karzinom unserer Bevölkerung dar, wobei westlicher Lebens- und Ernährungsstil wesentlich dazu beitragen. Etwa 5 % der Dickdarmkarzinome haben eine genetische Ursache, an die man besonders denken muss, wenn eine familiäre Häufung vorliegt (mehr als 3 Erkrankte), Verwandte ersten Grades betroffen sind oder Karzinomfälle vor dem 50. Lebensjahr vorkommen. Praktisch alle Karzinome des Dickdarms entwickeln sich aus gutartigen Adenomen, sodass eine aktive Vorsorge betrieben werden kann, was für viele andere Karzinome, wie dem Magenkarzinom, leider nicht möglich ist.

Liegt jedoch bereits ein Karzinom vor, wird durch „Staging“-Untersuchungen nach eventuellen Metastasen gesucht und so das Tumorstadium bestimmt.

Das Prinzip der Tumor-OP am Dickdarm ist die komplette Tumorentfernung mit zugehörenden Lymphknoten und Wiederherstellung der Darmpassage durch eine Darmnaht. Die Operation stellt die Hauptsäule der Therapie dar. In vielen Fällen ist dies heute in laparoskopischer Technik möglich, bei der die Bauchhöhle mit CO2 gefüllt wird und über OP-Röhrchen (Trokare) minimal-invasiv und video-gestützt operiert wird. Ein großer Bauchschnitt wird so vermieden, der Vorteil für den Patienten liegt in der geringeren Schmerzbelastung, der rascheren Erholung, dem geringen Risiko eines Narbenbruches oder von Verwachsungen.

Rektumkarzinom

Eine Besonderheit stellt das Karzinom des Mastdarms dar: dieser Tumor kann aufgrund seiner Lage im Becken gut vor einer Operation bestrahlt werden. In ca. 80 % der Rektumkarzinome kann der Schließmuskel erhalten werden, nur wenn der Tumor zu knapp an den Schließmuskel  heranreicht oder ihn gar betrifft, ist ein dauerhafter künstlicher Darmausgang notwendig.

Divertikulose - Divertikulitis

Betrifft ca. 50 % aller Menschen ab dem 50. Lebensjahr und besteht aus erbs-kirschgroßen Ausstülpungen der Dickdarmwand (Divertikulose). Westlicher Lebensstil, Alter, Obstipation und eine gewisse konstitutionelle Gewebsschwäche tragen wesentlich zu dessen Entstehung bei. Hauptsächlich sind Divertikel im linksseitigen Colon lokalisiert, wo der Dickdarm eine Hochdruckzone vor dem Übergang in den Mastdarm aufweist. Durch Kotkügelchen in den Divertikeln können Entzündungen ausgelöst werden (Divertikulitis), die unkompliziert verlaufen können, aber auch zu Abszessen oder gar Perforationen führen können. Die Symptome sind meistens Unterbauchschmerzen links in unterschiedlichem Ausmaß, die Diagnose und Stadienbestimmung wird durch Labor und CT erstellt.

Unkomplizierte Fälle werden mit Bettruhe und Antibiotikagabe meist erfolgreich therapiert. Die Indikation zur operativen Therapie besteht bei mehrfachen Entzündungsschüben oder Komplikationen wie Abszess, Perforation oder Engstelle.

Auch hier kann die moderne Viszeralchirurgie meistens ein minimal-invasives, laparoskopisches Vorgehen anbieten. Es erfolgt dabei in der Regel die Entfernung des betroffenen Abschnitts mit genannter Hochdruckzone bis zum Mastdarm, wobei selbstverständlich kein künstlicher Darmausgang (Stoma) erforderlich ist. Durch diese OP-Technik, optimale Schmerztherapie, raschen Kostaufbau und Mobilisierung kann so der stationäre Aufenthalt erstaunlich kurz gehalten werden.

Glossar

Dickdarm: Die Aufgabe des Dickdarms besteht in der Aufbereitung des Stuhls und seiner kontrollierten Entleerung über den Mastdarm. Der Dünndarminhalt besteht anfangs aus verdauten Nahrungsresten, Ballaststoffen und 4 - 5 Litern Verdauungsflüssigkeiten (Magensaft, Galle, Bauchspeichel), welche auf 10 % des Anfangsvolumens eingedickt werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die bakterielle Dickdarmflora, das sogenannte „Biom“, welches zehnmal so viele Bakterien wie Körperzellen umfasst und eine Gesamtmasse von ca. 1,5 kg hat. Das Biom ist wesentlich für Immunabwehr, Energieversorgung der Schleimhaut, Bereitstellung mancher Vitamine und Anregung der Peristaltik.

Der Dickdarm besteht anatomisch aus 5 Abschnitten (C.ascendens, transversum, descendens, Sigma und Rektum), wobei der Mastdarm mit dem Schließmuskel entscheidend für Stuhlentleerung und Kontinenz ist.

Adenome/Polypen: sind gutartige Geschwulste aus der Schleimhaut oder Drüsengewebe, die jedoch bösartig werden können.

Dickdarmchirurgie: Chirurgische Eingriffe am Dickdarm gehören zu den häufigsten Operationen der Allgemein- und Viszeralchirurgie und betreffen gutartige und bösartige Tumore, Entzündungen und seltener auch funktionelle Störungen, wie chronische Obstipation oder Stuhlentleerungs-Störungen.

Kontakt und weitere Informationen

Prim. Dr. Wolfgang Schweiger
Facharzt für Chirurgie
Privatklinik Villach

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