Wenn die Bauchwand bricht

Bei einer Hernie (Eingeweidebruch) kommt es zu einer Ausstülpung des Bauchfells und der Eingeweide durch die Bauchwand. Die bekanntesten Weichteilbrüche sind Leisten-, Nabel- und Narbenhernien.

Unsere Bauchhöhle ist von einer dünnen Membran als Gleitschicht für die Eingeweide ausgekleidet. An Schwachstellen der muskulären Bauchwand kommt es durch wiederholte Druckbelastung zur Ausstülpung des Bauchfelles, dem sogenannten Bruchsack. Ursächlich sind anatomische Schwachstellen (Leistenkanal des Mannes, Nabel oder OP-Narbe) begleitet von genetischer Disposition und starke Druckbelastung. Auch Übergewicht begünstigt die Entstehung von Hernien.

In diesen Bruchsack können Darmanteile oder Anteile des großen Netzes rutschen und so eine sichtbare Bruchgeschwulst verursachen. Bei einer engen Bruchpforte besteht die Gefahr einer Einklemmung, wo durch die Unterbrechung der Blutzufuhr der Bruchinhalt absterben kann. Dies stellt einen lebensbedrohenden Notfall dar und erfordert die sofortige operative Sanierung.

Operative Behandlung der Hernie

Die chirurgische Versorgung von Bauchwandbrüchen (Hernien) zählt zu den häufigsten Operationen der Allgemeinchirurgie. Die Hernienchirurgie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten durch die rasante Weiterentwicklung der Laparoskopie (Knopflochchirurgie) und die Entwicklung von Kunststoffnetzen stark verändert.

Die klassische Chirurgie setzt mittels verschiedener Nahttechniken vor allem auf den direkten Verschluss der Bruchpforte, was fast immer mit einer gewissen Gewebespannung einhergeht. Dies impliziert einerseits subjektive postoperative Schmerzen für den Patienten, andererseits die Gefahr des Durchschneidens von Nähten und damit das Risiko eines Rezidivs.

Die moderne Hernienchirurgie hingegen trägt der Tatsache Rechnung, dass im Bereich von Hernien praktisch immer eine Gewebeschwäche vorliegt und diese nur durch eine spannungsfreie Gewebeverstärkung behandelt werden kann. Für diesen Zweck wurden nicht resorbierbare Kunststoffnetze (Mesh) entwickelt, die gut gewebeverträglich sind, rasch einheilen und dauerhaft einer Druckbelastung standhalten.

Leistenhernie

Bei einem Leistenbruch ist in 90 % der Fälle eine knopflochchirurgische Sanierung möglich. Dabei wird durch 3 kleine Stiche in Nabelhöhe die Bruchpforte durch ein ca. 15 x 10 cm Netz verschlossen, wobei das Netz HINTER der Muskulatur, aber VOR dem Bauchfell platziert wird (TAPP: transabdominelle präperitoneale Plastik). Vorteile sind die geringe Schmerzbelastung, die simultane Versorgung von beidseitigen Brüchen und die frühe Belastbarkeit. Nicht geeignet ist die Methode bei übergroßen Hernien, nicht reponierbaren Hernien, ausgedehnten Verwachsungen der Bauchhöhle nach Vor-OPs oder fehlender Narkosetauglichkeit des Patienten. Dann wird in konventioneller Technik mit Leistenschnitt operiert und in den meisten Fällen ebenfalls ein Netz implantiert, das nunmehr VOR der Muskulatur platziert wird. Bei schlechter Narkosetauglichkeit ist dies auch unter Lokalanästhesie möglich.

Nabelhernie

Bei Bruchpfortengrößen unter 2 cm und kräftigen Bindegewebsverhältnissen kann nach der Entfernung des Bruchsackes die Bruchpforte direkt genäht werden, wobei nicht resorbierbares Nahtmaterial zum Einsatz kommt. Bei größeren Hernien oder schwachem Bindegewebe bevorzuge ich die Verstärkung mit einem Mesh, das möglichst wieder VOR dem Bauchfell und HINTER den Muskeln platziert wird (Sublay-Mesh). Die Nabelhaut wird am Wundgrund refixiert und so wiederum ein Nabelgrübchen geschaffen.

Narbenhernie

Jeder Operationsschnitt am Bauch (Laparotomie) birgt auch das Risiko einer späteren Narbenhernie. Begünstigend sind Übergewicht, Schnittlänge, Wundheilungsstörungen oder zu frühe Belastung. Narbenhernien bis 5 cm Durchmesser mit stabilem Rand der Bruchpforte können knopflochchirurgisch von innen mit einem beschichteten Spezial-Mesh versorgt werden (IPOM: peritoneales Onlay-Mesh). Jedoch kann es zu Verwachsungen an diesem Netz trotz Beschichtung kommen. Bei größeren Narbenhernien sollte wie am Nabel eine Sublay-Mesh-Sanierung in konventioneller Technik erfolgen, wobei das Netz HINTER der Muskulatur, aber VOR dem Bauchfell platziert wird und daher zu keinen Verwachsungen führt.

Zusammenfassung

Hernien sind ein häufiges Krankheitsbild und somit die häufigste Operation der Abdominalchirurgie. Es gibt keine spontane Selbstheilung; Hernien werden niemals kleiner, sondern größer. Die Skala der subjektiven Symptome reicht von Beschwerdefreiheit über mäßige Beschwerden bis zu ausgeprägter Symptomatik – insbesondere bei der Einklemmung.

Bei der Entscheidung über eine operative Therapie sollten der Hernientyp, die Größe, die subjektiven Beschwerden, aber natürlich auch das Risikoprofil des Patienten einfließen (Alter, Nebenerkrankungen, Medikamente etc.) und schließlich sollte ein individueller Therapievorschlag erstellt werden.

Kontakt und weitere Informationen

Prim. Dr. Wolfgang Schweiger
Facharzt für Chirurgie, Gefäß- und Viszeralchirurgie
Privatklinik Villach

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