OÄ Dr. Doris Meissnitzer

Hochfahren aus der Depression

Elektroheilkrampftherapie als Reset der Botenstoffe

Leider gelingt es trotz kombinierter Therapieoptionen (Medikation, Psychotherapie, Bewegungstherapie, Lichttherapie …) nicht, alle Patienten von ihrer depressiven Symptomatik ausreichend zu befreien. Was also tun, wenn eine sogenannte therapieresistente depressive Störung besteht, bzw. sich die Depression chronifiziert?

Neben dem Versuch, durch Kombinationen diverser Therapiemaßnahmen die Symptomatik doch noch günstig beeinflussen zu können, ist eine mögliche und extrem effektive Therapieintervention die sogenannte Elektrokonvulsionstherapie (EKT) oder auch Heilkrampftherapie genannt.

In vergangenen Jahrzehnten wurde die Elektrokonvulsionstherapie (abwertend auch als E-Schock-Therapie bezeichnet) zunehmend weniger angewendet. Insbesondere in den 1970er- und 1980er-Jahren ist die EKT in Verruf geraten und wurde in einen direkten Zusammenhang mit „einer Psychiatrie hinter Gittern und Stäben“ gestellt.

Ein kurzer historischer Rückblick

In den 1930er-Jahren beobachteten zwei italienische Psychiater (Ugo Cerletti und Luicio Bini), dass bei einem schizophrenen Patienten, welcher zufällig zwei epileptische Anfälle erlitt, die psychiatrische Erkrankung eine deutliche Besserungstendenz zeigte. Dies führte bei den beiden Kollegen zur Überlegung, ob nicht ein „künstlich ausgelöster epileptischer Anfall“ auch bei anderen seelischen Störungen hilfreich sein könnte. Am 11. April 1938 wurde dann die erste Behandlung an einem Patienten durchgeführt und erbrachte eine deutliche Besserung der depressiven Symptomatik.

Bis in die späten 50er-Jahre wurde diese Therapieform dann sehr häufig und leider auch teilweise unkritisch eingesetzt. Da zudem nicht, wie heute üblich, die Intervention in Vollnarkose durchgeführt wurde, kam es auch zum Auftreten unangenehmer Nebenwirkungen.

Mit dem Aufkommen der Psychopharmaka in den späten 50er Jahren und auch mit der sogenannten Antipsychiatriebewegung kam dann die Elektrokonvulsionstherapie völlig in Verruf und wurde kaum noch angewendet. Erst als dann in den 1980er-Jahren die Erkenntnis wuchs, dass leider auch mit den modernen Psychopharmaka Depressionen nicht immer ausreichend gut behandelbar sind, kam dann ein langsames, aber stetiges Umdenken.

Die Elektrokonvulsionstherapie heute

Die EKT wurde gegenüber der Anwendung in der Anfangszeit deutlich modifiziert und verbessert: So wird die Intervention in Vollnarkose durchgeführt, der Patient ist muskelrelaxiert, sodass nach dem „künstlich ausgelösten Krampfanfall“ auch keine Muskelschmerzen auftreten können. Zudem wird der Patient während der Kurznarkose entsprechend intensivmedizinisch überwacht.

Mittlerweile gibt es wissenschaftlich gut begründete Indikationen zur Durchführung einer EKT-Behandlung, nämlich dann, wenn eine schwere depressive Störung vorliegt, welche auf Psychopharmaka nicht anspricht. Zudem kann die EKT lebensrettend sein, und zwar dann, wenn schwerste depressive Symptome im Sinne einer sogenannten Katatonie vorliegen. Hier gibt es eine Ansprechrate von nahezu 100 %. Außerdem stellt eine Elektrokonvulsionstherapie dann eine Therapieoption der ersten Wahl dar, wenn der Einsatz von Psychopharmaka aufgrund von Nebenwirkungen nicht möglich ist bzw. wenn ein rascher Therapieerfolg notwendig erscheint.

Üblicherweise werden in einer Serie ca. 8 bis 10 Behandlungen durchgeführt, und zwar in zwei- bis dreitägigen Abständen. Um einen Rückfall in die depressive Symptomatik zu verhindern, sind dann nachfolgend in größeren zeitlichen Intervallen sogenannte Erhaltungs-EKTs erforderlich.

An der Privatklinik Villach wurde im Mai 1998 die erste Elektrokonvulsionstherapie durchgeführt – zwischenzeitlich wurden viele hunderte Patienten äußerst erfolgreich behandelt und die Komplikationsraten bzw. unerwünschten Nebenwirkungen liegen im sogenannten Promillebereich.

Abschließend kann festgehalten werden, dass die Elektrokonvulsionstherapie ihren seinerzeitigen Schrecken verloren hat, und umgekehrt sei festgestellt, dass es sich dabei um eine der effektivsten Therapieformen in der Psychiatrie überhaupt handelt und, dass es dem hippokratischen Eid widersprechen würde, einem Patienten diese äußerst wirksame und nebenwirkungsarme Therapieoption vorzuenthalten.

Kontakt und weitere Informationen

Prim. Dr. Bruno Pramsohler
Ärztlicher Leiter Privatklinik Villach
Facharzt für Neurologie u. Psychiatrie, Psychotherapeut

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