Knieschmerzen - wann ist eine Operation notwendig?

„Muss ich wirklich operieren, oder kann man da noch warten“ - ist eine sehr häufig gestellte Frage in der Ordination. Auch aus Sicht eines Operateurs ist der Zeitpunkt einer Operation oft der entscheidende Faktor für den weiteren Verlauf.

Zuletzt hat es auch in den Medien häufig Diskussionen darüber gegeben, dass oft zu früh operiert wird. Viele Patienten wurden dadurch verunsichert. Denn letztendlich sind sie auf den Ratschlag des behandelnden Arztes angewiesen. Und dieser soll eine fundierte Sachkenntnis haben und seine Patienten vorausschauend nach hohen ethisch-moralischen Grundsätzen beraten.

Gute Aufklärung

Bei planbaren Operationen wird heutzutage nicht mehr der Arzt allein die Entscheidung zu einer Operation treffen. Vielmehr handelt es sich um einen gemeinsamen Entscheidungsprozess.

Patienten sind durch die Vielfalt an Informationen in öffentlichen Medien und insbesondere im Internet oft schon vorinformiert. Diese Informationen zu erläutern, filtern und mit dem individuellen Krankheitsbild in Einklang zu bringen, ist Sache des Arztes. Oft stellt der Patient einen Behandlungsplan zur Diskussion, der absolut nicht zu seinem Krankheitsbild passt. Oder der Krankheitsverlauf ist schon zu weit für eine bestimmte Therapieoption fortgeschritten. Patienten sind auch enttäuscht, wenn der Arzt von einer Behandlung abrät, die bei einem Bekannten oder Freund gut funktioniert hat.

Dann ist es die Aufgabe eines guten Arztes, die Sachlage einfach und gut verständlich darzulegen und Unklarheiten auszuräumen.

Abnützung des Kniegelenks

Wenn der Gelenksknorpel im Knie zunehmend verschleißt, spricht man von einer Arthrose. Die häufigste Ursache ist ganz natürlich und betrifft uns alle, nämlich das Altern. Wie andere Gewebe sichtbar altern, verliert der Gelenksknorpel zunehmend seine Belastungsfähigkeit und Elastizität. Mit zunehmendem Knorpelverlust kommen meist dann auch die ersten Beschwerden und Schmerzen.

Erste Behandlungsmöglichkeiten

Wird eine Knorpelabnützung diagnostiziert, ist der erste Schritt sicherlich nicht eine Operation. Vielmehr versucht man mit Umschlägen, Salben, entzündungshemmenden Medikamenten, Physiotherapie und Bandagen den Schmerz einzudämmen. In weiterer Folge kommen Infiltrationsbehandlungen, Akupunktur oder Neuraltherapie in Betracht.

Operation bei Arthrose

Erst wenn alle konservativen Maßnahmen nicht greifen, sollte auch über eine Operation nachgedacht werden. Bei fortgeschrittenen, schmerzhaften Arthrosen des älteren Menschen kommt fast ausschließlich nur ein Gelenksersatz in Frage. Eine Kniespiegelungsoperation (Arthroskopie) hilft bei reinem Knorpelverschleiß nicht mehr und Achskorrekturoperationen sind nur sinnvoll beim jüngeren Patienten.

Der richtige Zeitpunkt einer Gelenksersatzoperation hängt in erster Linie von den therapieresistenten individuellen Beschwerden und vom Leidensdruck ab. Dabei ist abzuklären, wie weit die Gehleistung bereits eingeschränkt, ein Ruhe- und Nachtschmerz vorhanden ist oder ob regelmäßig Schmerzmedikamente eingenommen werden müssen.

Rechtzeitig Gelenksersatz durchführen

In einigen Fällen wird jedoch von ärztlicher Seite zu einem früheren Eingreifen geraten. Bei stark zunehmenden Achsfehlstellungen (O- oder X-Beinen) kommt es auch zur Auslockerung und Einschränkungen des Kniebandapparates und in schwerwiegenden Fällen müssen kompliziertere Knieprothesensysteme eingebaut werden. Diese bergen aber das Risiko nicht so lange zu halten wie Standardsysteme. Deswegen sollte man in diesen Fällen früher operieren.

Auch in Situationen kritischer Knochenqualität, beispielsweise bei Knochennekrosen – dem Absterben der Knochenareale – wird man eventuell einen früheren Eingriff empfehlen. Liegt bereits ein massives Bewegungsdefizit des Kniegelenkes vor, muss der Patient dahingehend aufgeklärt werden, dass bei weiterem Zuwarten auch nach der Operation mit einem reduzierten Bewegungsausmaß gerechnet werden muss.

Manchmal wird dem Patienten fortgeschrittenen Alters zu einem Eingriff geraten, solange der internistische Zustand noch entsprechend gut ist.

„Jüngere“ Patienten mit Knorpelschäden

Oft ist eine Knieverletzung oder ein Knochenbruch in jungen Jahren die Ursache für eine früh einsetzende Knorpelabnützung im Knie. Im Rahmen des Abnützungsprozesses kann es auch zu degenerativen Meniskusrissen kommen, die üblicherweise mit Gelenksspiegelung (Arthroskopie) behandelt werden. Nicht jeder Meniskusriss muss primär operativ versorgt werden, aber kommt es zu mechanischen Irritationen im Gelenk, ist eine Teilresektion empfohlen.

Auch anlagebedingte, stark verkrümmte Beine spielen eine Rolle in der frühzeitigen Arthroseentwicklung. Achskorrekturoperationen (Umstellungsoperationen) zielen auf Korrektur in Richtung einer Geradstellung des Beines ab. Diese Operationen sind aber in den letzten Jahren zurückgegangen, einerseits wegen der aufwendigeren Nachbehandlung, aber auch wegen der immer ermutigenderen Langzeitresultate der Endoprothetik und des Teilersatzes am Kniegelenk.

Bei Patienten vor dem 5. bis 6. Lebensjahr muss man aber immer an diese Option denken.

Kontakt und weitere Information

Dr. Heinz Freithofnig
Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie
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