Wirbelkanalverengungen

Eine lumbale Spinalkanalstenose (SKS) zählt bei Patienten über 65 Jahre zu den häufigsten Ursachen von Kreuzschmerzen, mit oder ohne Ausstrahlung in die Beine. Sie stellt die häufigste Indikation für Wirbelsäuleneingriffe beim älteren Menschen dar.

Die SKS beschreibt eine Verengung des Wirbelkanals im Lendenwirbelbereich, die als solche noch keine Beschwerden auslösen muss. Erst wenn die Enge so ausgeprägt ist, dass sie die im Wirbelkanal verlaufenden Nerven oder Blutgefäße komprimiert, verursacht sie Symptome.

Ursachen

Mit zunehmendem Alter wird die Wirbelsäule mehr und mehr abgenutzt. Die Verengung des Wirbelkanals entsteht durch mehrere Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen:

Durch eine Verringerung der Bandscheibenhöhe kommt es zu einer Mehrbelastung und Verdickung der Wirbelgelenke und zu einer Faltung und Verdickung des den Wirbelkanal auskleidenden „gelben Bandes“ (ligamentum Flavum, Flavumhypertrophie). Außerdem führt die Abnutzung der Bandscheibe auch zu Vorwölbungen, welche den Raum zusätzlich einengen.

Die degenerativen Veränderungen der Bandscheiben und Wirbelgelenke führen nicht selten zu einer Instabilität der Wirbelsäule mit Wirbelgleiten, welches ebenfalls zu einer Kompromittierung des Wirbelkanaldurchmessers führt. Das Durchschnittsalter von Patienten mit symptomatischer SKS liegt bei über 70 Jahren.

Symptome

Die meisten Patienten leiden bereits seit Jahren unter Rückenschmerzen, wobei die Kreuzschmerzen an sich noch kein Hinweise auf eine Stenose sein müssen.

Das klassische und zugleich spezifische Symptom der Spinalstenose ist die sogenannte Claudicatio spinalis. Hierbei kommt es nach einer bestimmten Gehstrecke zu ausstrahlenden Schmerzen in die Beine, charakteristischerweise über das Gesäß, die hinteren Oberschenkel und äußeren Unterschenkel, oftmals begleitet von Missempfindungen oder einem Schwächegefühl.

Bei ca. 10 % der Patienten mit fortgeschrittener SKS treten Blasenfunktionsstörungen auf, die zu Harnwegsinfekten oder einer Inkontinenz führen können. Krankheiten mit ähnlichen Symptomen sind die Arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) oder auch die Polyneuropathie, etwa beim Diabetes.

Diagnostik

Schon die genaue Erhebung der Anamnese liefert wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer SKS. Typische Anzeichen sind Gehstrecken abhängige, in die Beine ausstrahlende Kreuzschmerzen, die sich beim Vornüberbeugen oder Radfahren (hierdurch kommt es zu einer Erweiterung des Wirbelkanals) deutlich bessern. Oft ist eine körperliche Untersuchung weitestgehend unauffällig.

Bei einem entsprechenden Verdacht liefert die Magnetresonanztomographie (MRT) die verlässlichste Aussage und sollte spätestens dann durchgeführt werden, wenn der Patient trotz Medikamenteneinnahme und physiotherapeutischer Behandlung weiterhin Beschwerden hat. Ist kein MRT verfügbar (etwa bei liegendem Herzschrittmacher), sollte ein CT der Lendenwirbelsäule erfolgen, bei fraglichen Befunden eventuell ergänzt durch eine Kontrastmittelgabe in den Wirbelkanal (Myelo-CT).

Konservative Therapie

Ziel einer jeden Behandlung sind die Reduktion der Schmerzen und Verbesserung der Mobilität und Lebensqualität. Falls keine gravierenden neurologischen Defizite vorliegen, ist eine konservative Therapie sinnvoll. Dabei können die zugrunde liegenden Veränderungen, also Degeneration und Verengung, nicht aufgehalten werden, 60 bis 70 % der Patienten bleiben jedoch klinisch stabil. Zur konservativen Therapie gehören die Physiotherapie, eine suffiziente Schmerzmedikation und gegebenenfalls Kortikoid-Injektionen in den Wirbelkanal.

Physiotherapeutische Maßnahmen beinhalten haltungskorrigierende (entlordosierende) Übungen sowie Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, welche ebenfalls zu einer Entlordosierung und damit indirekten Erweiterung des Wirbelkanals führen.

Eine Erweiterung der konservativen Möglichkeiten stellen die sog. epiduralen Blockaden dar, das ist die Injektion eines Kortikoids in den Wirbelkanal. Diese Injektionstechnik ist durch die hohe Konzentration des entzündungshemmenden Medikamentes direkt am Ort des Geschehens sowie wohl auch durch einen gewissen Spüleffekt häufig sehr effektiv, wobei die Wirkung meist zeitlich begrenzt bleibt. Kontraindikationen sind z. B. die Einnahme blutverdünnender Medikamente (Marcoumar, Plavix).

Jede Therapie sollte nur in Rücksprache mit einem Arzt durchgeführt werden.

Operative Therapie

Die operative Therapie kommt dann zum Einsatz, wenn unter konservativen Maßnahmen keine ausreichende Besserung der Beschwerden zu erreichen ist, oder wenn neurologische Ausfälle wie beispielsweise Lähmungen vorliegen. Das Ziel der Operation ist die Erweiterung des Wirbelkanals und damit Beseitigung der Schmerzursache.

Dieser Eingriff wird unter dem Operationsmikroskop durchgeführt und stellt keine wesentliche Belastung für den Patienten dar. Die Erfolgsaussichten sind sehr gut und werden in der Literatur mit bis zu 90 % angegeben, insbesondere bezüglich der ausstrahlenden Schmerzkomponente und Verbesserung der Gehleistung.

Entgegen der häufig geäußerten Bedenken, insbesondere älterer Patienten, sind schwerwiegende Komplikationen wie etwa Nervenverletzungen mit bleibenden Lähmungen durch die Operation extrem unwahrscheinlich. Das Alter stellt keine Kontraindikation für einen derartigen Eingriff dar, auch weit über 80-jährige Patienten können mit guten Ergebnissen rechnen.

In manchen Fällen ist neben der Erweiterung des Wirbelkanals eine zusätzliche Stabilisierung erforderlich, etwa bei deutlichem Wirbelgleiten und damit verbundener ausgeprägter Kreuzschmerzkomponente.

Eine im Jahr 2000 publizierte Studie konnte eine deutliche Überlegenheit der operativen gegenüber der konservativen Therapie, insbesondere bezüglich der Claudicatio-spinalis-Symptomatik im langfristigen Verlauf nachweisen. Aus diesem Grunde sollten Patienten mit symptomatischer SKS bei erfolgloser konservativer Therapie in jedem Falle wirbelsäulenchirurgisch vorgestellt werden.

Kontakt und weitere Informationen

Dr. Jens-Peter Vogelsang
Facharzt für Neurochirurgie
Privatklinik Villach

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