Wenn der Druck im Kopf unerträglich wird

Es hämmert und pocht – Kopfschmerzen sind einer der häufigsten Gründe für eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität im mittleren Lebensalter.

Die internationale Kopfschmerzgesellschaft klassifizierte über 200 verschiedene Kopfschmerzformen und hat damit die Grundlage geschaffen, um verschiedene Erkrankungsbilder sowohl diagnostisch eindeutig zuzuordnen, als auch differenzierte Therapieformen zu ermöglichen.

So sind beispielsweise 400 von 100.000 Einwohnern vom Erkrankungsbild Migräne betroffen.

Der folgende Artikel befasst sich mit zwei sehr häufigen Kopfschmerzformen, nämlich

  1. dem Migränekopfschmerz und
  2. Kopfschmerz vom Spannungstypus.

Diese beiden Erkrankungsbilder machen zusammen ca. 90 % der primären Kopfschmerzsyndrome aus.

Vor allem Frauen leiden unter Migräne

1. Migränekopfschmerzen

Der Migränekopfschmerz wird definiert als ein episodisch auftretender rezidivierender, meist einseitiger, heftig pulsierender Kopfschmerz, welcher mit Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen einhergehen kann.

Gelegentlich geht eine „Vorphase“ (eine sogenannte Aura) voraus, wobei Tage vor der eigentlichen Migräneattacke Symptome wie Geruchsstörungen, Reizbarkeit etc. auftreten können. Unmittelbar vor der eigentlichen Kopfschmerzattacke können optische Phänomene, sogenannte Flimmerskotome, auftreten. Dabei erscheint zunächst ein heller, oszillierender Punkt - diese Sehstörung breitet sich dann über das Gesichtsfeld aus und „verliert“ sich meist nach etwa 20 Minuten. Danach kommt es zu migränetypischen, halbseitig pulsierenden Kopfschmerzen, welche mit erhöhter Lärm- und Erschütterungsempfindlichkeit und einem erhöhten Ruhebedürfnis einhergehen.

Die Arbeitsfähigkeit ist in der Migräneattacke deutlich eingeschränkt bzw. nicht möglich – in Österreich gehen jährlich etwa 6,8 Millionen Arbeitstage durch Migränekopfschmerzen verloren.

Etwa vier Fünftel der Patienten verbringen die Zeit der Migräneattacke in einem abgedunkelten Zimmer.

Auftreten und Ursache

Meist manifestiert sich die Migräne in der Pubertät bzw. im frühen Erwachsenenalter. Trotz der Häufigkeit und des hohen Leidensdruckes des Erkrankungsbildes erhalten leider nur 40 % der Betroffenen eine korrekte Diagnose. Die Ursache der Migräneerkrankung ist nach wie vor nicht bekannt. Die Forschung nimmt heute eine Störung von sogenannten Botenstoffen im Gehirn, welche Schmerzimpulse weiterleiten, an.

Die Entstehung der sogenannten Aura ist neurophysiologisch gut erklärbar – bei den „visuellen Symptomen“ handelt es sich um eine Depolarisationswelle, die sich von der Sehrinde des Gehirns mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 3 mm über die Hirnoberfläche ausbreitet.

Je nachdem, welche Areale von dieser Depolarisationswelle betroffen sind, kann es dann neben optischen Phänomenen auch zu Symptomen wie Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen kommen.

„Jede vierte Frau ist von Migräne betroffen!“

Hält trotz entsprechender Behandlung eine Schmerzattacke länger als 72 Stunden an, so spricht man von einem sogenannten Status migraenosus.

Sehr selten kann es im Rahmen der Aurasymptomatik auch zu einer bleibenden Durchblutungsstörung im Gehirn, einem sogenannten migränösen Hirninfarkt, kommen.

Eine Chronifizierung der Migräne ist dann eingetreten, wenn an mehr als der Hälfte der Tage eines Monats und über einen Zeitraum von länger als drei Monaten Migräneattacken bestehen.

Sonderform zyklusgebundene Migräne

Schwankungen des Östrogenspiegels knapp vor der Menstruationsblutung werden als Ursache für dieses Erkrankungsbild angenommen. Diese spezielle Form der Migräne benötigt eine eigene Therapieform.

Diagnostik der Migräne

Der wichtigste Baustein für die Zuordnung dieser Kopfschmerzform ist eine genaue Anamneseerhebung. Zusatzuntersuchungen wie beispielsweise eine computertomographische oder magnetresonanztomographische Abklärung des Gehirns bleiben in aller Regel unauffällig – und sind daher nicht zwingend erforderlich.

Therapie der Migräne

Artikel Gewitter im Kopf

2. Der Kopfschmerz vom Spannungstyp

Dabei handelt es sich um den häufigsten primären Kopfschmerz. Diese Kopfschmerzform kann episodisch auftreten (an weniger als 15 Tagen in einem Monat) oder chronisch (an mehr als 15 Tagen im Monat).

Üblicherweise beginnen die Schmerzen in der zweiten und dritten Lebensdekade und werden durch folgende Symptome charakterisiert:

Die Patienten beschreiben einen drückenden, bohrenden Kopfschmerz und berichten, das Gefühl zu haben, als wäre der Kopf in einer Schraubzwinge eingespannt.

Im Gegensatz zur Migräne ist also nicht ein Halbseitenkopfschmerz typisch, sondern ein Kopfschmerz, der meist die gesamte Zirkumferenz des Kopfes betrifft. Die Intensität der Schmerzen ist geringer als bei der Migräne, Übelkeit tritt nur selten als Begleitphänomen auf und der Kopfschmerz wird, im Gegensatz zur Migräne, nicht durch körperliche Aktivität verstärkt.

Die Kopfschmerzen dauern zumindest 30 Minuten, bestehen aber meist über mehrere Tage.

Der Spannungskopfschmerz hat seinen Namen übrigens deswegen, weil tatsächlich eine erhöhte muskuläre Anspannung der Kopf-, Nacken- und Gesichtsmuskulatur vorliegt, und andererseits zeigen auch viele dieser Patienten ein sogenanntes erhöhtes inneres Anspannungsniveau auf – äußere Stressfaktoren begünstigen daher das Auftreten dieses Erkrankungsbildes.

Therapie des Spannungskopfschmerzes

Artikel Gewitter im Kopf

Kontakt

Prim. Dr. Bruno Pramsohler
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapeut
Privatklinik Villach

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