Radiosynoviorthese

Ein nuklearmedizinisches Verfahren zur Behandlung von entzündlichen Gelenkserkrankungen wie Rheuma oder Arthrose. Damit werden entzündliche Gelenkserkrankungen lokal behandelt, d. h. nur dort, wo die Entzündung liegt.

Die primär chronische Polyarthritis (rheumatoide Arthritis) betrifft weltweit ca. 3 % der Bevölkerung. Durch die Entzündung kommt es zur Ausbildung eines entzündlichen Lappens, der über das Knorpelgewebe wächst und das Gelenk zerstört. Dadurch kommt es zur Entzündung, zur Ergussbildung und zu Schmerzen. Wird die Entzündung nicht unterbrochen, kann es zur dauerhaften Schädigung des befallenen Gelenks mit Ausbildung einer Fehlstellung und Versteifung kommen.

Rheuma ist eine systemische Erkrankung und sollte daher auch systemisch mit Medikamenten behandelt werden. Wenn es trotz der Basistherapie nach sechs Monaten zu keiner Besserung kommt, kann die so genannte Radiosynoviorthese (von Radio = Radioisotop, Synovialis = Gelenkschleimhaut, Orthese = Wiederherstellung; kurz RSO) eingesetzt werden.

Prinzip der Radiosynoviorthese

Die Radiosynoviorthese (RSO) ist eine nuklearmedizinische Gelenkstherapie zur Behandlung von schmerzhaften entzündlichen Gelenken bei Rheuma oder Arthrose.

Bei der RSO wird eine kurz wirksame radioaktive Substanz (Beta-Strahler), die therapeutische Strahlung aussendet, in das betroffene Gelenk eingespritzt. Die Partikel dieses so genannten Radioisotops legen sich auf die entzündete Gelenkinnenhaut und bestrahlen die erkrankten Gelenkstrukturen auf engem Raum quasi von innen heraus. Da sich das Radionuklid in der Gelenkflüssigkeit verteilt, können auch mikroskopisch kleine Räume durch diese örtliche Form der Strahlentherapie erreicht werden. Dadurch kommt es zu einer Heilung der Entzündung. Das Knorpel- und Knochengewebe wird nicht geschädigt.

Effektive Behandlung

Der Therapieeffekt nach der Radiosynoviorthese läuft sehr langsam ab und ist erst nach 4 bis 6 Monaten abgeschlossen. Als Behandlungsfolge kommt es zu einer Rückbildung der Entzündung, der Schmerzen und des Gelenkergusses.

Die klinische Besserung nach einer RSO hängt wesentlich von der Grunderkrankung und von der Vorschädigung im Gelenk ab. Daher gilt, je früher behandelt wird, desto besser. Grundsätzlich kann mit einer Besserungsrate von über 80 % gerechnet werden. Mit der RSO können alle Gelenke der Arme und Beine behandelt werden.

Die RSO hilft bei den folgenden Gelenkserkrankungen:

  • Rheumatoide Arthritis
  • nach arthroskopischer Synovektomie
  • chronische Gelenksergüsse
  • chronisch aktivierte Arthrose
  • Gichtarthropathie
  • Unverträglichkeit von Basistherapien
  • fehlende Operationstauglichkeit

Abklärung mit Knochenszintigraphie

Voraussetzung für die RSO ist der positive Entzündungsnachweis. Die Knochen-Mehrphasenszintigraphie ist die empfindlichste Nachweismethode von Gelenksentzündungen. Nach der intravenösen Injektion eines nuklearmedizinischen Medikamentes (Tc-99m Phosphonat) werden Ganzkörperaufnahmen angefertigt. Entzündungen sind stärker durchblutet und werden dadurch schon sehr früh erkannt. Bei einem rheumatischen Schub können sowohl die Ausdehnung als auch die Lokalisation von Entzündungen beurteilt werden.

Durchführung der RSO

Die Injektion des nuklearmedizinischen Arzneimittels erfolgt in der Regel unter Durchleuchtung. Grundsätzlich kann die RSO ambulant durchgeführt werden. Zur besseren Ruhigstellung des behandelten Gelenkes sollte sie jedoch stationär erfolgen. Die Therapie ist gut verträglich. Die Strahlenbelastung ist minimal.

Nachkontrolle

Die Nachkontrolle erfolgt in Zusammenarbeit mit einem Rheumatologen und Orthopäden. Nach 6 Wochen sollte eine klinische Kontrolle erfolgen. Nach 6 Monaten ist zur Beurteilung des Therapieerfolges die Durchführung einer Knochen-Mehrphasenszintigraphie erforderlich.

Zusammenfassung

Bei der RSO handelt es sich um einen kleinen Eingriff. Die Therapie führt primär zu einer Verbesserung der Symptome (Schmerzen, Schwellung, Beweglichkeit im behandelten Gelenk). Auch inoperable Patienten können behandelt werden. Es können in einer Sitzung mehrere Gelenke behandelt werden. Eine Wiederholung der Therapie ist möglich, es sollte jedoch bis zum Eintreten des endgültigen Therapieeffektes 6 Monate gewartet werden. In den Händen von erfahrenen Nuklearmedizinern stellt die RSO eine sinnvolle Ergänzung zum Erhalten und zur Verbesserung der Lebensqualität von Rheumapatienten dar.

Kontakt

Prim. Univ. Doz. Dr. Ewald Kresnik
Facharzt für Nuklearmedizin
Institut für Nuklearmedizin der Privatklinik Villach

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