Sauerstoff für das Gehirn

In Österreich ereignen sich ca. 20.000 Schlaganfälle pro Jahr und stellen nach Tumorerkrankungen und Herzinfarkt die dritthäufigste Todesursache dar. Ursache eines Schlaganfalles (apoplektischer Insult) sind entweder Gefäßverschlüsse oder Blutungen im Gehirn, die zum Untergang von Gehirngewebe führen.

Nach heutigen Erkenntnissen sind bis zu 60 % der Schlaganfälle durch Verengungen der zuführenden Halsarterien – der Arteria carotis interna – bedingt. Dieses Schlaganfallrisiko steigt ab einem Verengungsgrad von 70 % deutlich an, insbesondere wenn sich vorübergehende, kurzandauernde neurologische Ausfälle zeigen – sogenannte transitorische ischämische Attacken (TIA): kurze Arm- oder Beinlähmung, Gefühlsstörung, Sprach- oder Sehstörung ("Schlagerl gstreift").

Die therapeutischen Maßnahmen zielen darauf ab, das Schlaganfallrisiko zu senken. Bei Verengungen unter 70 % ist dies in der Regel eine medikamentöse Therapie mit sogenannten Aggregationshemmern, welche die Gerinnselbildung in den Arterien verhindern sollen (Aspirin, Clopidogrel).

Bei Verengungen über 70 % (mit Symptomen) oder über 80 % (ohne Symptome) steigt das Risiko weiter an, sodass eine Sanierung der Gefäßverengung angezeigt ist.

Den Goldstandard dafür stellt auch heute immer noch die operative Ausschälplastik der Carotis interna dar (TEA - Thrombendarteriektomie). Im Unterschied zu anderen Gefäßbereichen (z. B. Herzkranzgefäße) ist die nichtoperative Dehnungsbehandlung hierbei nicht die erste Wahl. Mehrere große Studien haben gezeigt, dass die operative Methode die geringste Rate an therapiebedingten Schlaganfällen hat (1 bis 3 %), während ohne Operation bei bis zu 25 % Schlaganfälle innerhalb von 3 Jahren auftreten.

Diagnostik der Carotis-interna-Verengung

Die Abklärung einer Carotis-interna-Verengung erfolgt durch eine spezielle Ultraschall-Untersuchung (Triplex-Sonographie) und sollte durch eine radiologische Gefäßdarstellung (CT oder MR-Angiographie) abgesichert werden. Dabei werden auch die intracraniellen Gefäße und der Aortenbogen dargestellt. Erst anhand dieser beiden Untersuchungen kann der Gefäßchirurg die Entscheidung zur OP treffen.

Das OP-Prinzip

Die Halsschlagader wird durch einen schrägen, seitlichen Hautschnitt am Hals freigelegt und das Blut für den Zeitraum der OP ungerinnbar gemacht (Heparin iv). Dann muss eine kurze Klemmung der Carotis erfolgen, um die Ausschälplastik durchführen zu können.

Um eine relevante Minderdurchblutung des Gehirns in dieser Phase zu erkennen, gibt es verschiedene Überwachungskonzepte:

  1. Durchführung der OP in Lokalanästhesie - für den Patienten sicher nicht immer angenehm.
  2. Intraoperative EEG-Überwachung – technisch aufwendig.
  3. Die transcutane Sauerstoffmessung des Gehirns über einfache Klebeelektroden - eine moderne Technik aus der Herzchirurgie, die in unserer Klinik routinemäßig angewendet wird.

Kommt es dabei zu einem Sauerstoffabfall von mehr als 20 %, wird in die Carotis interna vorübergehend ein Röhrchen (Shuntrohr) eingebracht, das im weiteren OP-Verlauf die Durchblutung und damit höchstmögliche Sicherheit für den Patienten gewährleistet.

Es erfolgt nun die Ausschälplastik, wobei durch den zwiebelschalenartigen Wandaufbau der Arterie eine völlig neue glatte Innenfläche geschaffen wird (Neointima). Danach erfolgt der Verschluss der Arterie entweder durch eine direkte Naht oder durch einen Kunststoff-Fleck (Patchplastik). Die Hautnaht erfolgt in kosmetisch günstiger Nahttechnik (Intracutan).

Postoperativ wird jeder Patient 24 Stunden auf unserer Intensivstation überwacht – inklusive der transcutanen Sauerstoffmessung des Gehirns. Der übliche postoperative Aufenthalt beträgt 4 bis 5 Tage. Die TEA der Carotis interna zeigt sehr gute Langzeitergebnisse, neuerliche Verengungen kommen nur sehr selten vor.

Zusammenfassend handelt es sich bei der Arteriosklerose der Halsarterien um ein häufiges Krankheitsbild, sodass ab dem 65. Lebensjahr ein Vorsorge-Ultraschall der Halsarterien sinnvoll ist, bei vorhandenen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Hypercholesterinämie oder Diabetes entsprechend früher. Eine gute Kooperation zwischen Internisten, Neurologen, Radiologen und Gefäßchirurgen schafft die Voraussetzung für einen optimalen Therapieerfolg für unsere Patienten - nämlich die Vermeidung eines Schlaganfalles.

Kontakt und weitere Informationen

Prim. Dr. Wolfgang Schweiger
Facharzt für Chirurgie, Gefäß- und Viszeralchirurgie
Privatklinik Villach

Dr. Klaus Mayer
Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie

Stille Volkskrankheit COPD

Die Chronisch Obstruktive Lungenkrankheit (COPD) zeichnet sich durch langanhaltenden Husten, starken Auswurf und Atemnot auch im Ruhezustand aus.

Mehr

10 Jahre Dialyse im Humanomed Zentrum Althofen

Seit Jänner 2008 können Patienten ihre Dialyse während ihres Kur- oder Rehabilitationsaufenthaltes im Humanomed Zentrum Althofen durchführen. Heute werde auch ambulante Patienten der Region versorgt.

Mehr

Darmkrebsvorsorge rettet Leben

Dickdarmkrebs kann bei frühzeitigem Erkennen fast zu 100 % geheilt werden. Ab dem 50. Lebensjahr sollte alle 5 Jahre eine Vorsorgeuntersuchung durchgeführt werden.

Mehr

Gefahr der unbehandelten Zuckerkrankheit

Wird der Diabetes mellitus nicht erkannt und therapiert, kann es in Folge zu verschiedenen Spätkomplikationen kommen. Eine frühzeitige Diagnose und Einstellung erhöhter Blutzuckerwerte hat somit oberste Priorität.

Mehr