Schulterschmerz

Diagnose

Im Mittelpunkt einer korrekten Diagnostik des Schulterschmerzes steht ein ausführliches Patientengespräch. Erfragt werden aktuelle oder zurückliegende Verletzungen, sportliche oder berufliche Belastungen des Schultergürtels und deren zeitlicher Zusammenhang mit den auftretenden Schmerzen. Häufig angegeben werden Ruhe- und Nachtschmerzen vor allem bei Erkrankungen der Sehnenhaube (Rotatorenmanschette) und des Schulterdachraumes (Subakromialraum).

Die Schmerzlokalisation gibt bereits Hinweise auf mögliche Auslöser innerhalb der Schulter selbst oder auf mögliche Ausstrahlungsschmerzen der Halswirbelsäule oder auch von Erkrankungen innerer Organe (Herz, Oberbauchorgane). Auch rheumatische Erkrankungen können sich im Bereich der Schulter manifestieren, sodass bei entsprechendem Verdacht auch eine Laboruntersuchung veranlasst wird.

Am Beginn der Untersuchung steht die Inspektion der Muskulatur im Seitvergleich und können so bereits länger zurückliegende Sehneneinrisse oder Nerveneinklemmungen mit entsprechender Abschwächung der Muskulatur im Seitvergleich vermutet werden. Auch die Position des Schulterblattes im Seitvergleich zum Ausschluss von Funktionsstörungen der Schulterblattmuskulatur ist zu beurteilen.

Die weitere Eingrenzung der infrage kommenden Diagnosen erfolgt durch eine subtile Untersuchungstechnik mit gezielter Testung anatomischer Strukturen und Beurteilung von Schmerz, Kraftverlust und Instabilität. Die Untersuchung der Hals- und Brustwirbelsäule muss stets mit einbezogen werden, da häufig Ausstrahlungen bei abnützungsbedingten Erkrankungen der Halswirbelsäule Schulterschmerzen vortäuschen können. In der Praxis bewährt hat sich auch die Ultraschalluntersuchung vor allem zur raschen Diagnose der häufigen Rotatorenmanschetten- und Bizepssehnenerkrankungen.

Zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose wird neben dem Standardröntgen meist eine Kernspintomographie, MRT- oder CT-Untersuchung veranlasst. Die Analyse dieser Befunde erfolgt idealerweise gemeinsam mit einem in der Beurteilung von Schulterbefunden erfahrenen Radiologen und müssen die nachweisbaren Veränderungen immer auch mit den angegebenen Beschwerden des Patienten in Übereinstimmung gebracht werden.

Das Alter des Patienten gibt wichtige Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung.

Schulterinstabilitäten zeigen ihren Altersgipfel zwischen 20 und 25 Jahren. Unterschieden wird zwischen einer Instabilität nach traumatischer Schulterluxation, angeborener Gewebeschwäche und einer Instabilität durch wiederholte Schädigung der kapsulären Strukturen (Mikroinstabilität) bei vor allem Überkopfsportarten (Wurf- und Schlagsportarten).

So können bestimmten Sportarten auch häufige Verletzungsmuster zugeordnet werden.

Therapie des Schulterschmerzes

Eine spezifische physiotherapeutische Behandlung wird meist primär begonnen.

Die Entscheidung ob und nach welcher Methode eine operative Maßnahme bei der Schulterinstabilität notwendig und sinnvoll ist, kann erst nach exakter Analyse sämtlicher Befunde erfolgen und berücksichtigt das Alter des Patienten, Sportart, Aktivitätslevel, Überstreckbarkeit mehrerer Gelenke und v. a. knöcherne Defekte an Schulterpfanne und Oberarmkopf.

Behandlung der Schulterverkalkung

Zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr tritt häufig die Schultersehnenverkalkung als Schmerzursache auf.

Man unterscheidet zwischen akut schmerzhaften und chronisch wiederkehrenden Verläufen. Akute Verläufe können durch Infiltrationen meist rasch gelindert werden. Bei erst kurz bestehenden Beschwerden sollte zunächst zugewartet werden, da Spontanauflösungen möglich sind. Bei langanhaltenden, therapieresistenten Schmerzen kann das Kalkdepot nach genauer Lagebestimmung mit CT-Aufnahme mit 3D-Rekonstruktion, minimalinvasiv arthroskopisch problemlos aufgesucht und entfernt werden.

Behandlung der Frozen Shoulder

Ein zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auftretendes häufiges Krankheitsbild ist die Schultersteife (frozen shoulder). Durch eine Entzündung und folgliche Vernarbung und Schrumpfung der Gelenkskapsel manifestiert sich die Erkrankung durch schmerzhafte Bewegungseinschränkungen. Schultersteifen treten nach Brüchen und Weichteilverletzungen und gehäuft auch bei Diabetikern und Schilddrüsenerkrankungen auf.

Vor allem die sogenannte primäre Schultersteife (ohne erkennbare Ursache) ist mit einer physikalischen Therapie und konsequenter, mehrmals täglich ausgeführter Dehnungsbehandlung nach vorheriger Infiltration gut behandelbar.

Abnützung der Rotatorenmanschette

Mit zunehmendem Lebensalter überwiegen Abnützungen der Sehnenhaube (Rotatorenmanschette) als Schmerzauslöser. Dies wird meist durch eine Enge unter dem Schulterdach (outlet impingement) begünstigt. Vor allem der mittlere Anteil der Sehnenhaube (Supraspinatus) ist betroffen.

Die Frage, ob ein Sehnendefekt operativ versorgt werden sollte, hängt u. a. vom Alter, Funktionsanspruch und der Defektgröße ab. Abhängig von der Defektgröße ist bei konservativer Therapie zukünftig in etwa der Hälfte der Fälle mit einer Größen- und Schmerzzunahme zu rechnen. Vor allem frische Risse des vorderen und hinteren Sehnenhaubenabschnittes (Subscapularis- und Infraspinatussehne) sollten aufgrund der folglichen Dezentrierung des Gelenkes primär operativ versorgt werden.

Mit der modernen minimalinvasiven arthroskopischen OP-Technik sind Sehnennähte auch bei größeren Defekten – im Vergleich zur früher durchgeführten offenen Operation schonender, exakter und zuverlässiger möglich.

Knorpelverschleiß

Mit zunehmendem Alter steigt auch die Chance an einem Knorpelverschleiß, der sogenannten Omarthrose, zu erkranken. Analog zu Abnützungen anderer Gelenke können Gelenkseinspritzungen und physikalische Therapien Phasen anhaltender Beschwerdebesserung bringen. Obwohl durch operative Maßnahmen mit modernen, anatomischen Schultertotalendoprothesen hervorragende Schmerzreduktionen und Beweglichkeiten und auch gute Langzeitergebnisse zu erzielen sind, sollte die Indikation zur Totalendoprothese weiterhin streng gestellt werden.

Zusammenfassend können viele Erkrankungen des Schultergelenks zunächst konservativ-medikamentös, physiotherapeutisch behandelt werden. Für eine erfolgreiche Behandlung entscheidend wichtig ist die enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und spezialisiertem Physiotherapeuten - vor allem auch in der postoperativen Betreuung. Bei anhaltender Schmerzsymptomatik sind der Großteil der Schultergelenkserkrankungen auch einer minimalinvasiven operativ-arthroskopischen Technik gut zugänglich und ermöglichen somit eine rasche Wiedereingliederung in Alltag und Sport.

Kontakt und weitere Informationen

Dr. Helmut Emser
Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Schwerpunkte Schulter und Knie
Privatklinik Villach

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