Fragen & Antworten zum Thema Brustkrebs

Jede 8. Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Somit ist Brustkrebs nach wie vor mit Abstand die häufigste bösartige Erkrankung der Frau. In Österreich erkranken jährlich 5.400 Frauen. Das Durchschnittsalter liegt bei 63 Jahren und hat sich in den letzten Jahren nicht wesentliche verändert.

Wir haben OA Dr. Klaus Unterrieder, Facharzt für Gynäkologie und Leiter des Brustgesundheitszentrums Villach die wichtigsten Fragen zum Thema Brustkrebs gestellt.

Was sind die Risikofaktoren für Brustkrebs?

Folgende Faktoren können die Entstehung von Brustkrebs begünstigen:

  • Hormonelle Faktoren: Faktoren, wie eine frühe erste Monatsblutung, späte Menopause, längere über 5 Jahre dauernde Hormonersatztherapie nach dem Wechsel, Kinderlosigkeit und späte Erstgebärende, erhöhen das Brustkrebsrisiko. Die Einnahme der Pille dürfte nur bei den BRCA-Mutationsträgerinnen eine Rolle spielen. (siehe Vererbung)
  • Alter
  • Lebensstil: Adipositas und vermehrter Alkoholkonsum erhöhen das Brustkrebsrisiko, während regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko senkt.
  • Familiäre Belastung, wie die Erkrankung von Mutter oder Schwester
  • Nachweis von Risikoveränderungen bei vorangehenden Biopsien
  • Andere bösartige Tumore z. B. in Gebärmutter, Eierstöcke, Darm

Wird Brustkrebs vererbt?

Wir gehen davon aus, dass ca. 5-10 % der Brustkrebsfälle genetisch verursacht sind. Die Hälfte davon ist durch Mutationen (= Veränderungen) in den Genen BRCA1 und BRCA2 bedingt. Nicht jeder Träger der Genveränderung erkrankt an Brustkrebs, jedoch steigt das Risiko von 12 % auf ca. 80 %. Diese Mutationen werden an 50 % der Nachkommen weitergegeben.

In Österreich sind ca. 300 der 5.600 Neuerkrankungen im Jahr darauf zurückzuführen.

Wann kommt ein genetischer Test in Frage?

Ein Gentest sollte bei folgender familiärer Belastung durchgeführt werden.

  • 1 Brustkrebsfall vor dem 35. Lebensjahr
  • 2 Brustkrebsfälle vor dem 50. Lebensjahr
  • 3 Brustkrebsfälle vor dem 60. Lebensjahr
  • 1 Brustkrebsfall vor dem 50. Lebensjahr und 1 Fall von Eierstockkrebs jeglichen Alters
  • 2 Eierstockkrebsfälle jeglichen Alters
  • männlicher und weiblicher Brustkrebsfall jeglichen Alters

Die Angaben beziehen sich dabei immer auf eine familiäre Linie, d. h. entweder väterlicher- oder mütterlicherseits.

Wie wichtig ist die Vorsorge bei Brustkrebs?

Die Prognose des Mammakarzinoms hängt entscheidend von der Tumorgröße und dem Lymphknotenbefall ab. Ziel aller diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen muss es daher sein, den Tumor in einem frühen Stadium zu entdecken.

Um dieses Ziel zu erreichen sollten Frauen regelmäßig ihre Brust nach der Monatsblutung untersuchen. Werden Veränderungen ertastet, sollten die Betroffenen umgehend den Arzt ihres Vertrauens aufsuchen um weitere Schritte in die Wege zu leiten.

Weiters können Frauen ab dem 40. Lebensjahr an dem österreichischen Brustkrebsfrüherkennungsprogramm teilnehmen, bei dem alle zwei Jahre eine Mammographie und gegebenenfalls ein Ultraschall durchgeführt werden.

Was passiert bei Verdacht auf ein Mammakarzinom?

Wurden im Rahmen einer Vorsorge auffällige Veränderungen in der Brust festgestellt, so wird in einem zertifizierten Brustzentrum vor einer möglichen Operation stets eine feingewebliche Abklärung angestrebt. Diese Gewebeentnahmen kann entweder ultraschall- oder röntgengezielt (mammographisch) durchgeführt werden.

Im Falle einer bösartigen Erkrankung wird das histologische Ergebnis sowie das notwendige onkologische Vorgehen mit der Patientin und ihren Angehörigen besprochen, nachdem es zuvor vom interdisziplinärem Tumorboard beschlossen wurde. Bei kleinen Veränderungen und unauffälligen axillären Lymphknoten kann bei Dreiviertel aller Patientinnen ein brusterhaltendes Vorgehen mit lediglich Entfernung des Wächterlymphknotens gewählt werden.

Bei großen Tumoren und Notwendigkeit einer Chemotherapie kann dieselbe im Einzelfall vor der geplanten Operation durchgeführt werden, um die Rate an Brusterhaltung zu erhöhen. Ist eine Brustentfernung notwendig, wird den Frauen ein Brustaufbau mit Eigengewebe oder Silikonprothesen angeboten. Eine zusätzliche Chemotherapie, antihormonelle Therapie oder Antikörpertherapie sowie die Indikation zu einer Bestrahlung werden erneut vom interdisziplinären Team festgelegt. Sämtliche angeführten Therapien können an der Privatklinik Villach im Rahmen des Brustzentrums durchgeführt werden.

Was ist das Besondere am zertifizierten Brustzentrum?

Die Zertifizierung als Brustzentrum bestätigt, dass ausreichend Erfahrung durch eine Mindestzahl an erstbehandelten Brustkrebspatientinnen pro Jahr erreicht wird und international anerkannte Standards eingehalten werden. Jährlich werden an der Privatklinik Villach 50 bis 60 neudiagnostizierte Brustkrebserkrankungen behandelt.

Im Brustgesundheitszentrum besprechen Radiologen, Gynäkologen, internistische Onkologen, Strahlentherapeuten und Pathologen die optimalste operative bzw. medikamentöse Behandlung.

Kontakt und weitere Informationen

OA Dr. Klaus Unterrieder
Facharzt für Gynäkologie, Privatklinik Villach

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