Wenn das Gehen schmerzt –
Die Verengung des Wirbelkanals

Leidet ein Patient an Kreuzschmerzen, die nach längerem Gehen und Stehen über das Gesäß, die hinteren Oberschenkel und gelegentlich bis zur Wade ausstrahlen, ist eine mögliche Ursache die Verengung des Wirbelkanales der Lendenwirbelsäule – die sogenannte Spinalkanalstenose. Kommen noch belastungsabhängige Missempfindungen oder ein Schwächegefühl der Beine hinzu, erhärtet sich der Verdacht. Spätestens jetzt sollte eine spezifische Abklärung erfolgen. Schon die genaue Erhebung der Anamnese liefert dabei wichtige Hinweise. So bereitet etwa das Fahrradfahren oder auch das Gehen in gebeugter Haltung keine oder deutlich weniger Beschwerden.

Die körperliche Untersuchung kann weitestgehend unauffällig ausfallen. In Ruhe treten oft keine Schmerzen auf, neurologische Ausfälle sind eher selten und nur bei sehr ausgeprägten Befunden zu erwarten.

Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik, wie etwa Durchblutungsstörungen oder eine Polyneuropathie, müssen ausgeschlossen werden. Bei einem entsprechenden Verdacht liefert die Magnetresonanztomographie (MRT) die verlässliche Aussage, ob eine Verengung des Wirbelkanales vorliegt oder nicht. Ist kein MRT möglich (etwa bei liegendem Herzschrittmacher), sollte eine CT der Lendenwirbelsäule erfolgen, bei fraglichen Befunden ergänzt durch eine Kontrastmittelgabe in den Wirbelkanal (Myelo-CT).

Die häufigsten Ursachen

Durch eine Verringerung der Bandscheibenhöhe kommt es zu einer Mehrbelastung und Verdickung der Wirbelgelenke. Zusätzlich führt der Höhenverlust zwischen zwei Wirbelkörpern zu einer Faltung und Verdickung des Bindegewebes, das den Wirbelkanal auskleidet. Darüber hinaus können Bandscheibenvorwölbungen den Raum zusätzlich einengen.

Diese Veränderungen verursachen nicht selten eine Instabilität der Wirbelsäule mit Wirbelgleiten, das dann zusätzlich zu einer Verengung des Wirbelkanaldurchmessers führt.

Die Frage nach der richtigen Therapie

Wenn keine gravierenden neurologischen Defizite vorliegen, kann ein konservativer Therapieversuch erfolgen. Die zugrunde liegenden Veränderungen können zwar nicht aufgehalten werden, 60-70 % der Patienten bleiben jedoch unter konservativer Therapie klinisch stabil.

Physiotherapeutische Maßnahmen beinhalten haltungskorrigierende (entlordosierende) Übungen sowie die Kräftigung der Rumpfmuskulatur, die ebenfalls zu einer indirekten Erweiterung des Wirbelkanals führt.

Kurzfristig können auch Medikamente eingenommen werden, allerdings ist bei den meist älteren Patienten besondere Vorsicht bei eingeschränkter Nierenfunktion oder Herzerkrankungen geboten. Opiate (z. B. Hydal, Tramundal) können auch über längere Zeiträume eingenommen werden, führen aber nicht selten zu Übelkeit, Inappetenz, Schwindel oder Gangunsicherheit.

Eine Erweiterung der konservativen Möglichkeiten stellen die sogenannten epiduralen Blockaden dar, also die Injektion von Kortison in den Wirbelkanal. Diese Injektionstechnik ist sehr effektiv, allerdings ist die Wirkung meist zeitlich begrenzt.

Wenn operiert werden muss...

Die operative Therapie kommt dann zum Einsatz, wenn unter konservativen Maßnahmen keine ausreichende Besserung der Beschwerden zu erreichen ist oder wenn neurologische Ausfälle, wie beispielsweise Lähmungen vorliegen. Das Ziel der Operation ist die Erweiterung des Wirbelkanals und damit Beseitigung der Schmerzursache. Dieser Eingriff wird unter dem Operationsmikroskop durchgeführt und stellt keine wesentliche Belastung für den Patienten dar. Die Erfolgsaussichten sind sehr gut und werden in der Literatur mit bis zu 90 % angegeben, insbesondere bezüglich der ausstrahlenden Schmerzen und Verbesserung der Gehleistung. Schwerwiegende Komplikationen wie etwa Nervenverletzungen mit bleibenden Lähmungen durch die Operation sind extrem unwahrscheinlich. Das Alter an sich stellt keine Kontraindikation für einen derartigen Eingriff dar. Auch weit über 80-jährige Patienten können mit guten Ergebnissen rechnen.

In manchen Fällen ist neben der Erweiterung des Wirbelkanals eine zusätzliche Stabilisierung erforderlich, etwa bei deutlichem Wirbelgleiten und damit verbundenen ausgeprägten Kreuzschmerzen. Hier zeigt die Literatur bessere Ergebnisse als bei alleiniger Dekompression. Eine im Jahr 2000 publizierte Studie konnte eine deutliche Überlegenheit der operativen gegenüber der konservativen Therapie nachweisen. Aus diesem Grunde sollten Patienten bei erfolgloser konservativer Therapie in jedem Falle wirbelsäulenchirurgisch vorgestellt werden.

Kontakt und weitere Informationen

Dr. Jens-Peter Vogelsang
Facharzt für Neurochirurgie

Privatklinik Villach
T: +43 (0) 4242 3044 35648
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