Ursachen, Symptome und moderne Behandlungsmöglichkeiten
Ein stechender Schmerz im Rücken, der sich bis ins Bein zieht, begleitet von Taubheitsgefühl oder Schwäche – viele Menschen kennen diese Symptome. Häufig steckt ein Bandscheibenvorfall dahinter. Besonders betroffen ist die Lendenwirbelsäule (lumbaler Bandscheibenvorfall), seltener die Halswirbelsäule (zervikaler Bandscheibenvorfall). Beide Formen können erhebliche Beschwerden verursachen und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?
Die Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbeln, die durch die Bandscheiben als Stoßdämpfer getrennt sind. Diese bestehen aus einem festen Faserring und einem weichen Gallertkern. Mit zunehmendem Alter, durch Fehlhaltungen, Bewegungsmangel oder körperliche Überlastung verliert die Bandscheibe an Elastizität. Der Faserring kann reißen, der Kern nach außen treten und auf Nerven oder das Rückenmark drücken. So entsteht ein Bandscheibenvorfall.
Typische Symptome
Ein lumbaler Bandscheibenvorfall äußert sich meist durch tief sitzende Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins Bein (Ischialgie). Die Beschwerden verstärken sich oft beim Husten, Niesen oder Sitzen. Typisch sind auch Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Muskelschwäche im Bein.
Beim zervikalen Bandscheibenvorfall treten indessen Nacken- und Schulterschmerzen auf, häufig mit Ausstrahlung in den Arm. Auch hier können Gefühlsstörungen oder Kraftverlust in der Hand auftreten, gelegentlich begleitet von Kopfschmerzen oder Schwindel. Ein Alarmsignal, das immer ernst genommen werden sollte, sind Lähmungserscheinungen oder Störungen der Blasen- und Darmfunktion. Sie deuten auf eine Nervenkompression hin und erfordern sofortige ärztliche Abklärung. Grundsätzlich gilt: Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Nur eine fachärztliche Untersuchung kann die Ursache der Beschwerden eindeutig klären.
Der Blick ins Innere
Am Beginn steht eine sorgfältige klinisch-neurologische Untersuchung, bei der Beweglichkeit, Reflexe, Kraft und Sensibilität überprüft werden. Ergänzend liefert eine Magnetresonanztomographie (MRT) ein genaues Bild der betroffenen Bandscheibe und der Nerven. So kann die Diagnose sicher gestellt und der Schweregrad des Vorfalls beurteilt werden.
Konservative Behandlung – Heilung ohne OP
Etwa 80 bis 90 % aller Bandscheibenvorfälle können ohne Operation erfolgreich behandelt werden. Entscheidend ist eine individuell angepasste konservative
Therapie, die meist mehrere Bausteine kombiniert:
■ Schmerztherapie: Medikamente helfen, akute Schmerzen zu lindern und Bewegung zu ermöglichen.
■ Physiotherapie: Gezielte Übungen stärken die Rückenmuskulatur, verbessern die Haltung und entlasten die Wirbelsäule.
■ Infiltrationen: Lokale Injektionen entzündungshemmender Medikamente (z. B. Kortisonpräparate) direkt in die betroffene Nervenwurzel können starke Schmerzen rasch reduzieren.
■ Bewegung und Rückenschule: Nach kurzer Schonung ist gezielte Bewegung entscheidend, um die Heilung zu fördern und Rückfälle zu vermeiden. Unter konsequenter konservativer Behandlung klingen die Beschwerden häufig innerhalb weniger Wochen deutlich ab.
Moderne, minimalinvasive Operationen
Eine OP ist dann erforderlich, wenn trotz intensiver konservativer Therapie anhaltend starke Schmerzen, neurologische Ausfälle oder funktionelle Einschränkungen bestehen oder wenn sich akute Lähmungen entwickeln. Ziel der OP ist es, den Druck auf die betroffene Nervenwurzel zu beseitigen. Moderne Verfahren ermöglichendies mit höchster Präzision und minimaler Belastung:
■ Mikrochirurgische Operation: Unter dem Operationsmikroskop wird das vorgefallene Bandscheibenmaterial über einen kleinen Hautschnitt entfernt.
■ Endoskopische Bandscheibenoperation: Über einen nur wenige Millimeter großen Zugang wird eine kleine Kamera eingeführt. Das ermöglicht eine besonders gewebeschonende Behandlung mit kurzer Erholungszeit und sehr geringem Risiko.
Beide Verfahren erlauben eine schnelle Mobilisation. Die meisten Patienten können bereits am nächsten Tag wieder aufstehen. In seltenen Fällen, etwa bei wiederholten Vorfällen oder ausgeprägtem Bandscheibenschaden, kann jedoch eine Bandscheibenprothese oder eine Versteifung (Fusion) notwendig werden.
Nach der Operation
Die Rehabilitation beginnt früh. Bereits kurz nach dem Eingriff wird unter physiotherapeutischer Anleitung mit ersten Bewegungsübungen begonnen. Eine gute Rumpfmuskulatur ist entscheidend, um die Wirbelsäule langfristig zu stabilisieren. In den meisten Fällen können die Patienten nach wenigen Wochen in ihren Alltag zurückkehren, oft mit deutlich verbesserter Lebensqualität.
Mit Bewegung, gezieltem Training und einem bewussten Umgang mit dem eigenen Rücken kann jeder selbst viel dazu beitragen, dass die Wirbelsäule wieder das tut, wofür sie gemacht ist: uns sicher durchs Leben tragen.
Kontakt und weitere Informationen
Dr. Jörn Krämer
Facharzt für Neurochirurgie
Privatklinik Villach
E: joern.kraemer@privatklinik-villach.at