Harnblasentumore: Früh erkennen, besser behandeln

"Ich war völlig überrascht. Außer etwas Blut im Urin hatte ich keine Beschwerden." So schildern viele Betroffene die ersten Anzeichen eines Blasentumors. Tatsächlich zählt Harnblasenkrebs zu den häufigeren Tumorerkrankungen in Österreich und doch ist er in der Bevölkerung oft wenig bekannt. Dabei gilt: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. In Österreich erkranken jedes Jahr etwa 2.000 bis 2.200 Menschen an Harnblasenkrebs. Männer sind etwa dreimal häufiger betroffen als Frauen. Mit einer Inzidenzrate von 20 bis 25 Fällen pro 100.000 Einwohner liegt Österreich damit im europäischen Spitzenfeld.

Warnzeichen und Risikofaktoren

Das wichtigste Symptom ist Blut im Urin – meist schmerzlos und plötzlich auftretend. Ärzte sprechen hierbei von einer „schmerzlosen Makrohämaturie“. Aber auch Blut, das nur mikroskopisch nachweisbar ist, kann ein Hinweis sein.

Weitere mögliche Beschwerden sind:

■ Häufiger Harndrang, auch bei geringer Urinmenge

■ Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen

■ Dranginkontinenz

■ Wiederkehrende Blasenentzündungen

■ In seltenen Fällen Unterbauch- oder Flankenschmerzen

Der größte Risikofaktor ist und bleibt das Rauchen: Rund die Hälfte aller Harnblasenkrebsfälle ist darauf zurückzuführen. Auch der berufliche Umgang mit bestimmten Chemikalien oder chronische Reizungen der Blase (beispielsweise durch Infekte) erhöhen das Risiko. Ein gesunder Lebensstil, ausreichend Flüssigkeit, der Verzicht auf Zigaretten und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können das Risiko deutlich verringern.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Besteht der Verdacht auf einen Blasentumor, ermöglicht die Blasenspiegelung (Zystoskopie) eine direkte Beurteilung der Schleimhaut.

Weitere diagnostische Schritte sind:

■ Urinuntersuchungen auf Blut oder Tumorzellen

■ Ultraschall: zur Darstellung größerer Veränderungen

■ CT oder MRT: zur Beurteilung der Tumorausbreitung und der oberen Harnwege

Formen und Stadien

Die Tumore werden in zwei Hauptgruppen eingeteilt:

■ Nicht-muskelinvasive Tumore (NMIBC): Sie betreffen nur die Schleimhaut und die oberflächliche Schicht der Blase.

■ Muskelinvasive Tumore (MIBC): Hier wächst der Tumor in die Muskelschicht der Blasenwand ein.

Moderne Therapieoptionen

Die Behandlung richtet sich nach Tumorstadium und individuellem Risiko.

Nicht-muskelinvasive Tumore (NMIBC)

Zunächst wird der Tumor endoskopisch entfernt. Anschließend folgt häufig eine einmalige Chemoinstillation direkt in die Blase, um Rückfälle zu verhindern. Bei höherem Risiko kommen eine BCG-Immuntherapie oder wiederholte Instillationen zum Einsatz.

Muskelinvasive Tumore (MIBC)

Der Goldstandard ist die operative Entfernung der Harnblase (radikale Zystektomie) mit Anlage einer Harnableitung. Hierzu kann entweder eine Ersatzblase aus Dünndarm geformt oder ein Dünndarm-Stoma angelegt werden. Bei ausgewählten Patienten sind auch Blasenerhaltstrategien möglich, etwa eine Kombination aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Bei einer fortgeschrittenen und metastasierten Erkrankung ist eine cisplatinbasierte Chemotherapie Standard. Kommen Patienten dafür nicht infrage oder schreitet die Krankheit fort, stehen moderne Immuntherapien (Checkpoint-Inhibitoren) und zielgerichtete Medikamente zur Verfügung.

Nachsorge und Ausblick

Da Harnblasentumore häufig wiederkehren, ist eine regelmäßige Nachsorge besonders wichtig. Dazu gehören Blasenspiegelungen, Urinuntersuchungen und bildgebende Verfahren. Nach einer radikalen Operation dienen die Kontrollen auch der Früherkennung von Komplikationen und der Sicherung einer guten Lebensqualität.

Die gute Nachricht: Wird Harnblasenkrebs früh erkannt, bestehen sehr gute Heilungschancen. Moderne Diagnostik, individuell angepasste Therapien und konsequente Nachsorge ermöglichen vielen Betroffenen ein langfristig beschwerdefreies Leben. Wer Blut im Urin bemerkt oder zur Risikogruppe gehört, sollte daher nicht zögern, frühzeitig eine Urologin oder einen Urologen aufzusuchen, denn rechtzeitiges Handeln kann Leben retten.

Kontakt und weitere Informationen

Dr. Georg Streitmayer
Facharzt für Urologie und Andrologie
Privatklinik Maria Hilf
E: georg.streitmayer@humanomed.at

 

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