Bei der Heilung einer Wunde nach Verletzungen und Operationen entstehen Narben. Der Körper bildet Ersatzgewebe, das jedoch im Vergleich zur intakten Haut weniger elastisch ist und keine Schweiß- bzw. Talgdrüsen oder Haare hat.

Die Schutzfunktion der Haut wird dabei wiederhergestellt und im Idealfall ist die Narbe, die aber manchmal erst nach über einem Jahr „ausgereift“ ist, blass, weich, flach, schmerzfrei und ästhetisch unauffällig. In manchen Fällen können Narben aber auch ein Leben lang sichtbar sein, entstellen und schmerzhafte Beschwerden bereiten.

Narbenarten

Abhängig von der Größe und Tiefe der Wunde, ob die Wundränder glatt oder unregelmäßig beschaffen waren, aber auch abhängig vom Alter und der Körperstelle, können folgende krankhafte Narbenbildungen unterschieden werden:

  • atrophe Narbe: eingesunken (z. B. eingedellte Aknenarben)
  • hypertrophe Narbe: wulstig und überschießend wachsend (aufgrund erhöhter Hautspannung, z. B. im Dekolleté und Schulterbereich), familiär gehäuft, kann sich spontan oder durch Therapie zurückbilden
  • Narbenkeloid: wuchernd und stark gerötet, häufig bei Menschen mit dunkler Hautfarbe, bildet sich nicht von selbst zurück
  • Narbenkontraktur: entsteht meist nach großflächigen Verletzungen und nach Wundheilungsstörungen wie Entzündungen. Verhärtetes und zusammengezogenes Gewebe kann dabei v. a. an Gelenken Bewegungseinschränkungen verursachen.

Wie kann man einer verstärkten Narbenbildung vorbeugen?

Prinzipiell ist die Art der Wundversorgung durch den Arzt wesentlich für den Heilungsprozess und die Narbenbildung. Eine gewebsschonende Operationstechnik, eine den natürlichen Hautfalten folgende Schnittführung, spezielle Nahttechniken sowie die Auswahl des Nahtmaterials und der richtige Zeitpunkt der Nahtentfernung spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Für den optimalen Behandlungserfolg sollte der Patient angeleitet werden, selbst bestimmte Pflegemaßnahmen durchzuführen:

  • Massage der Narbe nach Nahtentfernung mit rückfettenden Hautpflegeprodukten (z. B. Ringelblumensalbe) oder Narbengels mit speziellen Wirkstoffen, wie Allantoin oder Dexpanthenol
  • Pflege der Narbe mit Silikongelen oder Folien sowie speziellen Salben mit Zwiebelextrakt, um die Narbe feucht zu halten
  • Sonnenschutz für 1 Jahr (Sun-Blocker), um Hautschäden und Pigmentveränderungen vorzubeugen

Narbenbeschwerden

In manchen Fällen macht es Sinn, eine Narbenbehandlung vorzunehmen:

  • Schmerzen, Brennen, Jucken
  • Spannungsgefühl und eingeschränkte Beweglichkeit
  • geringe Belastbarkeit der Haut
  • beeinträchtigtes Empfinden z. B. Temperatur, Schmerz
  • ästhetische Beeinträchtigung & psychische Belastung Grundsätzlich ist eine Behandlung, je nach Anlassfall, konservativ oder operativ möglich

Nicht-operative Behandlungen von auffälligen und krankhaften Narben

  • Kortisonbehandlung: Kortison wirkt entzündungshemmend und reduziert damit das Narbenwachstum.
  • Kryotherapie: Die Kältebehandlung kann zu einer optischen Aufhellung des behandelten Areales führen.
  • Druckbehandlung: Kompressionskleidung führt zu Minderdurchblutung und Abflachung der Narbe.
  • Lasertherapie: Hautschichten werden abgetragen, um Narben „einzuebnen“.
  • Unterspritzung atropher Narben (z. B. mit Hyaluronsäure).
  • Microneedling regt Bildung von Kollagen an.
  • Tätowierungen können Narben mit Hilfe von Schattierungen und Farben optisch unauffälliger machen oder auch, wenn gewünscht, von der Narbe ablenken.

Operative Narbenkorrektur

Bevor eine operative Narbenkorrektur vorgenommen wird, sollte - solange keine funktionelle Einschränkung besteht - die komplette Reifung der Narbe (zwischen 6 und 12 Monaten) abgewartet werden.

Kleinere Narbenkorrekturen können meist in Lokalanästhesie, auf Wunsch mit Dämmerschlaf, durchgeführt werden. Komplexere Eingriffe erfordern jedoch eine Allgemeinanästhesie.

  • Entfernung der Narbe: Im einfachsten Fall wird die Narbe entfernt und die Wunde wieder verschlossen.
  • Serienexcision: Die schrittweise Verkleinerung einer großflächigen Narbe im Abstand von mehreren Monaten, wenn diese zu groß ist, um sie in einer einzigen Operation zu entfernen.
  • Lipofilling: Eigenfettunterspritzung bei atrophen Narben.
  • Narbenentfernung mit Anlegen von Lappenplastiken: Hautverschiebungen (z. B. Z-Plastik, W-Plastik), um die Narbenrichtung und Spannungsverhältnisse der Wunde zu verbessern.
  • Gewebeexpansion: Einbringen eines Hautexpanders vor der Korrektur großflächiger Narben, um die umgebende gesunde Haut mittels Silikonballon vorzudehnen.

Narbenkorrekturen, die zu den häufigeren plastischästhetischen Operationen zählen, führen in der Regel zu einer entscheidenden Verbesserung, sowohl funktionell als auch ästhetisch. Wichtig ist jedoch dabei zu betonen, dass Narben nie unsichtbar werden, aber idealerweise sehr unauffällig sein können.

In der Regel werden bei entsprechender medizinischer Indikation nach Abklärung mit der Versicherung die Kosten für die Narbenkorrektur übernommen, nach Unfällen können auch ästhetische Narbenkorrekturen von Versicherungen (z. B. private Unfallversicherung) gedeckt sein.

Der erste Schritt bei Unzufriedenheit mit einer Narbe sollte ein ausführliches Beratungsgespräch bei einem Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie sein, um hier sämtliche Therapiemöglichkeiten und deren Grenzen sowie Risiken zu besprechen.

Kontakt

Dr. Johannes Jeschke
Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie
Privatklinik Maria Hilf, Klagenfurt

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