Wenn das Essen aus dem Rhythmus kommt

Wir alle sind einem Rhythmus unterworfen, der unser ganzes Leben bestimmt. Gesteuert wird dieser durch die innere Uhr, die jeder von uns kennt. Blicken wir zunächst auf den Rhythmus, der dafür verantwortlich ist, wie unser Körper auf das unterschiedliche Nahrungsangebot im Jahreskreis reagiert.

Verantwortlich dafür sind Hormone, die zu den verschiedenen Jahreszeiten in unterschiedlichen Konzentrationen in unserem Körper vorkommen. Im Herbst ist die Insulinkonzentration im Blut doppelt so hoch und wirksamer wie im Frühling. Insulin ist dafür verantwortlich, dass die durch Essen zugeführte kohlenhydrathaltige Nahrung verwertet wird und damit in weiterer Folge als Fettspeicher für den Winter und Frühling zur Verfügung steht. Im Winter wiederum ist die erhöhte Konzentration eines anderen Hormons (Lipoproteinlipase) dafür verantwortlich, dass gespeichertes Fett aus dem Körper für die Energiebereitstellung abgebaut wird.
 
So wie es von der Jahreszeit abhängige Unterschiede gibt, bestehen auch Unterschiede im Laufe eines Tages. Der wichtigste Rhythmus dabei ist der Tag-Nacht-Rhythmus. Dieser wird ebenso wie unser Stoffwechsel durch Hormone beeinflusst. Während am Tag Fettreserven angelegt werden, werden diese nachts wieder abgebaut. Studien konnten belegen, dass für das Funktionieren dieses Systems das Hungergefühl ganz entscheidend ist. Das wiederum hängt von dem jeweilig vorherrschenden Hormoncocktail ab. Verdauung, Aufnahme im Verdauungstrakt und Verwertung der Nahrung sind daran gekoppelt. Dieser zeitliche Zusammenhang kann zum Beispiel durch Stress beeinflusst werden. Wenn sich nun eine Art von Stress zu bestimmten Tageszeiten immer wieder wiederholt, werden hormonelle Beziehungen und das natürliche Hungergefühl beeinflusst. Zudem werden wir durch unsere Umgebung ständig vom Blick auf unsere innere Uhr abgelenkt. Diese Ablenkung, über einen langen Zeitraum hinweg betrieben, hat mitunter dramatische Folgen.

Ab diesem Zeitpunkt ist das Fett, das wir eigentlich als wertvollen Energiespeicher besitzen, toxisch und Organe wie Leber, Muskulatur oder Bauchspeicheldrüse erkranken. Die nächsten Schritte sind Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit vielen weiteren Folgeerkrankungen.

Dieses tagesrhythmische Muster legt damit nahe, dass nicht nur die Menge und Qualität der zugeführten Nahrung eine Rolle spielen, sondern auch die Tageszeit, zu der man isst, entscheidend für einen gesunden Lebensstil ist.

Wie kann die eigene innere Uhr wieder gelesen und somit selbst die beste Vorsorgemedizin betrieben werden?

Als sehr hilfreich stellen sich dabei Fastenkuren heraus, die weniger den Sinn der Gewichtsregulation haben, sondern vielmehr den Blick für die eigenen Ernährungsgewohnheiten und angelernten Muster schärfen. Nach einer Fastenkur ist es wesentlich leichter, seine angelernten Gewohnheiten zu durchbrechen und den Schwung für eine nachhaltige Umstellung der Ernährung zu schaffen.

Der gesundheitsfördernde Effekt von Fastenkuren wurde bereits von den alten Griechen erkannt. In der heutigen Zeit ist es möglich, eine Fastenkur im ambulanten Setting mit diplomierten Fastenbegleitern und Ärzten oder aber auch in Hotels oder eigens dafür ausgelegten privaten Kuranstalten durchzuführen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten einer Fastenkur. Gemeinsam ist allen Fastenkuren jedoch immer die deutliche Reduktion der täglichen Kalorienzufuhr über einen gewissen Zeitraum. Dabei treten anfangs nicht selten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit auf, was in Zusammenhang mit der verringerten Darmtätigkeit steht. Diese wiederum hat zur Folge, dass der Blutdruck sinkt und sich der Kreislauf beruhigt. Bereits nach wenigen Tagen stellt sich der Körper darauf ein und die Phase der Ruhe beginnt. Es gibt keine Ablenkungen mehr. Die nun erlangten Erfahrungen können für die weitere Umstellung der Ernährungsgewohnheiten sehr hilfreich sein. Das Wenige, das dem Körper jetzt zur Verfügung steht, schärft den Blick und reicht aus, um nun noch klarer alte Muster zu erkennen und damit zu verändern.

Am Ende einer Fastenkur steht das „Fastenbrechen“. Das ist der behutsame Aufbau einer wieder normalen Kalorienzufuhr über ein paar Tage. Der beste Zeitpunkt für das Fasten ist am Ende des Winters oder im Frühjahr, da – wie oben erwähnt – dann die für den Stoffwechsel zur Verfügung stehenden Hormone indirekt hilfreich mitwirken können.

Kontakt und weitere Informationen

Dr. Markus Moser
Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie, Ernährungsmedizin, Geriatrie
Privatklinik Maria Hilf
T: +43 (0)463 5885-0
E: markus.moser@humanomed.at

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