Häufige Fußleiden schnell erklärt

Schmerzen am Fuß? Oft leiden Menschen unter belastenden Schmerzen oder bereits an Bewegungseinschränkungen, die alltägliche Abläufe erschweren, wissen aber nicht, welches Krankheitsbild dahintersteckt. Wir sprechen mit Dr. Alexander Eichwalder über häufige Fußleiden, deren Ursachen und diverse Therapiemöglichkeiten – und wir beantworten vor allem die Frage: Welche Erkrankung schmerzt an welcher Stelle?

Sehr geehrter Dr. Eichwalder, der Fuß lässt sich in unterschiedliche Bereiche einteilen. Welche sind das?
Dr. Eichwalder: Grundsätzlich ist die Anatomie des Fußes in Vor-, Mittel- und Rückfuß bzw. Fußwurzel unterteilt und bildet im Idealfall ein stabiles System, das unser gesamtes Körpergewicht täglich trägt. Die unterschiedlichen Bereiche ergeben zusammen ein ausgeklügeltes Geflecht aus Knochen, Muskeln, Sehnen und Bändern, das für Gleichgewicht und Standfestigkeit sorgt. Treten an einer Stelle Beschwerden auf, kann das schmerzhafte Auswirkungen haben oder die Stabilität und das gesamte Gefüge negativ beeinflussen.

Vorfuß: Eine häufige Erkrankung ist die Hallux-valgus-Fehlstellung. Wie kommt es dazu und welche Symptome sind typisch?
Dr. Eichwalder: Hier spielt meist eine erbliche Vorbelastung eine Rolle. Auch das Tragen von engem Schuhwerk und hohen Absätzen wird ursächlich diskutiert. Am Anfang steht die Entwicklung eines Spreizfußes. Die Mittelfußknochen weichen fächerförmig auseinander. Dadurch erfüllen die beiden Sehnen (Streck- und Beugesehne) nicht mehr ihre eigentliche Funktion, die Großzehe gerät durch die veränderte Zugrichtung aus dem Gleichgewicht. Dieser Prozess ist nicht mehr umkehrbar, im Gegenteil. Über kurz oder lang wird die Fehlstellung meist ausgeprägter. Je nach Ausprägung der Fehlstellung leiden Betroffene vor allem unter schmerzhaften Reibepunkten oder Druckschmerzen im Schuhwerk.

Welche Therapien gibt es beim Hallux valgus?
Dr. Eichwalder: Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, eine aufgetretene Hallux-valgus-Fehlstellung zu behandeln: Entweder man ändert die Größe bzw. Weite seines Schuhwerks oder man ändert die Formgebung des Fußes. Führen konservative Maßnahmen und weites, gepolstertes Schuhwerk zu keiner Verbesserung und besteht durch den schmerzhaften Ballen ein entsprechender Leidensdruck, sollte eine Operation in Betracht gezogen werden. Die Wahl des passenden Operationsverfahrens hängt nicht nur vom Ausmaß der Fehlstellung ab, sondern auch von vielen Begleitfaktoren. Sie verlangt im Vorfeld also nach einer genauen klinischen wie auch radiologischen Abklärung.

Mittelfuß/Rückfuß: Eine häufige Erkrankung dieses Bereichs ist der Knickplattfuß. Welche Ursachen und Symptome sind typisch?
Dr. Eichwalder: Meist ist eine zunehmende Schwäche des hinteren Schienbeinmuskels für den Knickplattfuß verantwortlich. Diese Entwicklung kann durch eine chronische Überbelastung durch Sport, Beruf oder auch Übergewicht ausgelöst werden oder ist auf Veranlagung und den kindlichen Knickplattfuß als Vorstufe zurückzuführen.

Welche Therapien gibt es beim Knickplattfuß?
Dr. Eichwalder: Beim kindlichen Knickplattfuß ist Vorsicht vor einer voreiligen Verschreibung von Schuheinlagen geboten. Eine genaue klinische und radiologische Abklärung ist unerlässlich, um mit gezielter Physiotherapie wirkungsvoll konservativ und vorbeugend therapieren zu können und im Erwachsenenalter operative Korrekturen eventuell sogar vermeiden zu können. Bei stark ausgeprägter oder anhaltend schmerzhafter Fehlstellung sowie in Verbindung mit einem bereits bestehenden Kraftverlust des Muskels kann eine Operation jedoch notwendig werden.

Rückfuß: Weitverbreitet ist die Erkrankung der Achillessehne. Woher kommt der Schmerz?
Dr. Eichwalder: Es handelt sich meist um eine degenerative Sehnenerkrankung, eine sogenannte Tendinose oder Tendinopathie, die von der Sehnensubstanz der Achillessehne selbst ausgeht. Auslöser von Schmerzen sind meist Mikrotraumen und chronische Überlastung, die häufig bei Freizeitsportlern auftreten. Aber auch andere Grunderkrankungen können eine Rolle spielen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei der Erkrankung der Achillessehne?
Dr. Eichwalder: Therapeutisch hat hier die gezielte Physiotherapie einen hohen Stellenwert. Ergänzend kommen Stoßwellenbehandlungen und spezielle Injektionstherapien in Betracht. Bei anhaltenden Beschwerden besteht die Möglichkeit der Operation, wobei hier abhängig vom Befund verschiedene Methoden zur Verfügung stehen, die sich in der Nachbehandlung unterscheiden können.

Kontakt und weitere Informationen

Dr. Alexander Eichwalder
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie

Privatklinik Maria Hilf
T: +43 (0)463 5885-0
E: alexander.eichwalder@humanomed.at

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