Ein Riss des vorderen Kreuzbands zählt zu den häufigsten Knieverletzungen – besonders bei sportlich aktiven Menschen. Was viele nicht wissen: Nicht jedes gerissene Kreuzband muss ersetzt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das körpereigene Kreuzband rekonstruiert und erhalten werden. Entscheidend dafür sind vor allem die Art der Verletzung und eine rasche Behandlung.
Das Kreuzband – der Stabilisator im Knie
Das vordere Kreuzband verbindet Ober- und Unterschenkel und sorgt dafür, dass das Knie bei Bewegungen stabil bleibt. Vor allem bei schnellen Richtungswechseln, Drehbewegungen oder abruptem Abbremsen verhindert es, dass der Unterschenkel unkontrolliert nach vorne oder zur Seite rutscht. Kommt es zu einem Riss, verliert das Knie einen wichtigen Teil seiner Stabilität.
Wie entsteht ein Kreuzbandriss?
Ein Kreuzbandriss tritt häufig bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln oder Drehbewegungen auf, wie z. B. Fußball, Tennis oder Skifahren.
Typische Beschwerden unmittelbar nach der Verletzung:
■ Schmerzen
■ Deutliche Schwellung des Knies
■ Gefühl der Instabilität
Bleibt ein Kreuzbandriss unbehandelt, berichten Betroffene häufig davon, dass das Knie im Alltag oder beim Sport plötzlich „wegknickt“. Mediziner sprechen dabei von sogenannten „Giving-way-Attacken“. Durch die fehlende Stabilität können mit der Zeit auch Meniskus und Gelenkknorpel stärker belastet werden. Das erhöht langfristig das Risiko für einen Gelenkverschleiß (Arthrose).
Nicht jeder Kreuzbandriss ist gleich
Ein Kreuzband kann an unterschiedlichen Stellen reißen. Manchmal löst es sich direkt am Knochenansatz, manchmal reißt es in der Mitte oder nur teilweise. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) liefert bereits wichtige Informationen über die Verletzung. Die genaue Art des Risses lässt sich jedoch häufig erst während einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) eindeutig beurteilen.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Ob eine Operation notwendig ist, hängt von mehreren Faktoren ab – unter anderem von Alter, körperlicher Aktivität und den Anforderungen im Alltag oder Beruf. Ein stabiles Knie ist nicht nur für Leistungs- und Hobbysportler wichtig. Auch Menschen mit körperlich belastenden Berufen profitieren von einer stabilen Kniefunktion. Besonders wichtig ist eine Kreuzbandstabilität außerdem, wenn gleichzeitig ein Meniskus genäht oder rekonstruiert wurde, damit dieser dauerhaft gut einheilen kann.
Eigenes Kreuzband erhalten – ist das möglich?
Heute stehen grundsätzlich zwei Operationsverfahren zur Verfügung: Entweder wird das gerissene Kreuzband durch eine körpereigene Sehne ersetzt oder es wird – wenn die Voraussetzungen stimmen – das eigene Kreuzband erhalten und wieder am Knochen befestigt. Ob ein Kreuzbanderhalt möglich ist, hängt vor allem von folgenden
Faktoren ab:
■ Lage des Risses
■ Alter und Aktivität des Patienten
■ Zeitpunkt der Operation
Besonders gute Voraussetzungen bestehen, wenn das Kreuzband im oberen Bereich nahe dem Oberschenkelknochen gerissen ist oder sich dort vom Knochen gelöst hat. Wichtig ist außerdem, dass die Operation möglichst innerhalb von drei Wochen nach der Verletzung erfolgt.
Welche Vorteile bietet der Kreuzbanderhalt?
Kann das körpereigene Kreuzband erhalten werden, bringt das mehrere Vorteile: Wichtige Nervenfasern bleiben erhalten, die für das Körpergefühl und die Wahrnehmung der Gelenkstellung verantwortlich sind. Dadurch kann sich die natürliche Kniefunktion besser erholen. Auch der Eingriff selbst ist meist schonender. Die Operation dauert in der Regel kürzer, es können kleinere Bohrkanäle angelegt werden und es bleibt mehr gesunder Knochen erhalten. Sollte später dennoch eine weitere Operation notwendig werden, bestehen dadurch oft bessere Voraussetzungen.
Neue Chancen durch moderne OP-Methoden
Die früheren kreuzbanderhaltenden Verfahren werden aufgrund der hohen Revisionsrate kaum mehr angewendet. Durch moderne, minimalinvasive Operationstechniken und neue Implantate hat sich das in den vergangenen Jahren grundlegend geändert. Heute kommen spezielle Faden- und Ankersysteme zum Einsatz, mit denen das gerissene Kreuzband wieder sicher am Knochen befestigt werden kann. In manchen Fällen wird zusätzlich ein besonders reißfestes Band eingebracht, das das Knie während der Heilungsphase stabilisiert. Aktuell wird außerdem erforscht, ob körpereigene Stammzellen die Heilung weiter verbessern können. Ob diese Methode langfristig einen zusätzlichen Nutzen bringt, wird derzeit noch wissenschaftlich untersucht.
Rasch handeln erhöht die Chancen
Beim Kreuzbanderhalt spielt die Zeit eine entscheidende Rolle. Je früher die Verletzung abgeklärt wird, desto größer ist die Chance, das eigene Kreuzband erhalten zu können. In der Privatklinik Villach bieten wir nach Knieverletzungen eine rasche klinische und radiologische Abklärung an. So kann frühzeitig entschieden werden, welche Behandlung im individuellen Fall die besten Erfolgsaussichten bietet und ob ein Erhalt des vorderen Kreuzbands möglich ist.
Kontakt und weitere Informationen
Dr. Markus Gregori, MBA
Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie
Privatklinik Villach
E: markus.gregori@privatklinik-villach.at