Schmerzen nach der OP – muss das sein?

Eine völlige Schmerzfreiheit nach operativen Eingriffen ist wünschenswert, doch nur vereinzelt erreichbar oder von zu vielen unerwünschten Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen begleitet.

Eine moderne perioperative Medizin gewährleistet durch immer besser werdende Operationsmethoden wie „minimalinvasive Techniken“ für allgemeinchirurgische oder orthopädische Eingriffe (z. B. Bauchspiegelung, Hüftendoprothesen) und Fortschritte in der begleitenden medikamentösen Schmerztherapie eine raschere Rekonvaleszenz und größeres Wohlbefinden als noch vor 15 Jahren. Während jedoch für Patienten der operative Erfolg mitunter erst Tage bis Wochen nach der Operation beurteilbar wird, ist die Effektivität einer Schmerztherapie sofort beurteilbar und hauptverantwortlich für die Patientenzufriedenheit unmittelbar nach der Operation.

„Bemerkenswerter Weise erwarten Patienten postoperativ gar keine völlige Schmerzfreiheit. Im Gegenteil, sie tolerieren einen gewissen postoperativen Schmerz, aber sie erwarten, dass ihr Schmerz ernst genommen und rasch therapiert wird, wenn das Schmerzniveau ein tolerables Maß übersteigt.“

Was sind Schmerzen?

Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers und soll Anlass zur Suche nach der Ursache geben. Ist die Ursache des Schmerzes gefunden, hat er seine Aufgabe erfüllt und soll so rasch und effizient als möglich behandelt werden.

Schmerzursache, Schmerzentstehung, Schmerzqualität, Schmerzcharakter, Schmerztherapie – diese Begriffe waren in den vergangenen Jahren und sind weiterhin Ziel zahlreicher Untersuchungen. Das Wissen um das Thema Schmerz wird in zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen und Diplomkursen an interessierte Kollegen aus allen Fachdisziplinen und an das Pflege-Fachpersonal weitergegeben.

Ich möchte Ihnen als Leser an Hand des Standards „postoperative Schmerztherapie Privatklinik Villach“ erläutern, wie in unserem Haus die postoperative Schmerztherapie organisiert ist.

Die postoperative Schmerztherapie

Die postoperative Schmerztherapie wird nach einem klar definierten Standard betrieben. Dieser ist in Tabellenform auf allen Bettenstationen einsehbar, jede schmerztherapeutische Intervention ist klar geregelt und nachvollziehbar, diplomiertes Pflegepersonal und Mediziner arbeiten eng zusammen. Der Standard wurde von Vertretern aus Medizin und Pflege der Privatklinik Villach in Zusammenarbeit mit dem Institut für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Universität Graz erstellt. Er wurde primär für die Universitätsklinik entwickelt, um aber die Effektivität auch in der Privatklinik Villach zu gewährleisten, war es notwendig, den Standard an lokale Gegebenheiten der Privatklinik Villach anzupassen.

Je nachdem, ob es sich bei den operativen Eingriffen um Weichteil- oder Knochenoperationen handelt, wurden für vier operative Fachgebiete Schmerztherapie-Standards entwickelt: Allgemeinchirurgie/Gynäkologie, Orthopädie/Unfallchirurgie, Neurochirurgie operativ, Neurochirurgie konservativ. In Abhängigkeit der zu erwartenden postoperativen Schmerzen umfasst jeder Standard einen dreistufigen Therapieplan.

Die Wirkung der Analgetika (Schmerzmedikamente) im Körper ist sehr unterschiedlich. Eine große Substanzgruppe, ein Vertreter ist z. B. das allseits bekannte Voltaren, wirkt entzündungshemmend und vor allem bei Knochenschmerz, während Vertreter der zweiten großen Substanzgruppe, die Opioide (Morphiumabkömmlinge), vor allem bei Weichteilschmerzen gute Wirkung entfalten. Darüber hinaus gibt es Substanzgruppen, die per se keine Schmerzmedikamente im eigentlichen Sinn darstellen, doch in Kombination deren Wirkung verstärken.

In jedem der 4 Schemata bildet die intravenöse Verabreichung von entzündungshemmenden Medikamenten und/oder stark wirksamen Substanzen, den Opioiden die Basismedikation, 2- bis 4-mal täglich zu fixen Zeitpunkten verabreicht. Daneben sind Bedarfsmedikationen, d. h. ohne vorherige Zeitangabe für den sogenannten Durchbruchsschmerz, festgelegt. Zur Vermeidung von Überdosierung sind für alle Medikamente Tageshöchstgrenzen hinterlegt.

Schmerzpumpen finden in unserem Stufenschema des Akutschmerzes keine Berücksichtigung, da für uns vor allem in der postoperativen Phase der intensive Kontakt von Ärzten und Pflegekräften mit den Patienten an erster Stelle steht.

Unsere Philosophie: „Nicht die Technik zum Patienten zu bringen, sondern den Menschen.‟

Bei Operationen mit einem zu erwartenden hohen Schmerzlevel (= Stufe 3, z. B. große Oberbauchoperationen, Knie-Totalendoprothesen usw.) werden zur Optimierung der Schmerzbehandlung vor oder unmittelbar nach der Operation zentrale oder periphere Nervenblockaden durchgeführt. Aus Sicherheitsgründen werden die Blockaden an Armen und Beinen routinemäßig unter Zuhilfenahme von Nervenstimulatoren und unter Ultraschallkontrolle angelegt. Um die schmerzreduzierende Wirkung der Nervenblockaden über mehrere Tage zu gewährleisten, wird ein hauchdünner Katheter zum Nervenstrang vorgeschoben und das Schmerzmittel kontinuierlich abgegeben.

Die Effektivität der Therapie wird durch routinemäßige Visiten des zuständigen Anästhesisten am 1. postoperativen Morgen und weiteren bei Bedarf in den Folgetagen überprüft. Dabei zeigt sich, dass trotz phasenweise höherem Schmerzniveau die Patientenzufriedenheit durch unsere Zuwendung zum Patienten und das Miteinbinden in die Therapie extrem hoch ist.

Kontakt und weitere Informationen

Prim. Dr. Andreas Heim
Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin
Privatklinik Villach

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