Herzschwäche
eine unterschätzte Gefahr

Schon seit früherster Zeit galt das Herz als Mittelpunkt des Körpers. Die „Lebenspumpe“ liegt zentral im Brustkorb hinter dem Brustbein geschützt durch die Rippen.

Als genial konstruierte Saug-Druck-Pumpe wiegt dieses faustgroße Wunderwerk knapp 300 g und ist in der Lage, mit jeder Herzaktion 70 ml Blutvolumen zu transportieren. Bei einer durchschnittlichen Herzfrequenz von 70 Schlägen/min werden so in der Minute fast fünf Liter Blut zur Versorgung der Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen bewegt (Auswurfleistung).

Bei Anstrengung (körperlicher Belastung) kann das Volumen auf über 20 l/min gesteigert werden. Alle Formen der Herzschwäche führen zu einer Verminderung der Auswurfleistung.

Herzschwäche (cardiale Insuffizienz) eine seltene Erkrankung?

Das Vorkommen der Herzschwäche in Österreich wird auf 1 bis 2 % der Gesamtbevölkerung und auf rund 10 % der über 75-Jährigen geschätzt. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Häufigkeit in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Als Ursache wird in erster Linie die veränderte Altersstruktur der Bevölkerung angenommen. Die Herzschwäche ist der häufigste Grund für eine Krankenhauseinweisung bei Patienten über 75 Jahre.

Was ist Herzschwäche?

Alle Zustände, welche die Pumpleistung des Herzens beinträchtigen, führen zu einer Herzschwäche (cardiale Insuffizienz). Diese Abnahme der Auswurfleistung kann verschiedene Ursachen haben:

  • Verkalkung der Herzkranzgefäße „Arteriosklerose“ (koronare Herzerkrankung)
    Durch Engstellen in den Herzkranzgefäßen kommt es zur Unterversorgung des Herzmuskels mit sauerstoffreichem Blut. Dies führt zu Muskelschäden und eingeschränkter Pumpleistung.
  • Langjähriger Bluthochdruck (Hypertonus
    Durch die Druckbelastung kommt es zu einer Verdickung des Herzmuskels und dadurch zu einer Beeinträchtigung der Funktion
  • Herzklappenfehler (Klappenvitien)
    Verkalkungen oder Entzündungen führen zu Klappenundichtigkeiten (Insuffizienzen) oder fehlender Klappenöffnung (Stenosen). Dadurch wird die Pumpleistung herabgesetzt.
  • Herzrhythmusstörungen (Tachy-Bradykardien)
    Bei zu schneller Abfolge der Herzschläge (Tachykardie) kann sich der Herzmuskel nicht ausreichend füllen. Ähnlich zeigt sich auch bei einer Abnahme der Herzfrequenz (Bradykardie) ein zu geringer Blutauswurf.
  • Erweiterung vor allem der linken Herzkammer durch verschiedene Ursachen (dilatative Kardiomyopathie)

Die Herzschwäche kann ohne erkennbare Ursache (idiopathisch), z. B. aufgrund genetischer Veränderungen oder infolge bekannter Einwirkungen, entstehen. Dazu gehören Virusinfektionen, dauerhaft übermäßiger Alkoholgenuss, Diabetes mellitus, Schilddrüsenüber- (Hyperthyreose) oder Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), rheumatologische Erkrankungen wie z. B. Kollagenosen sowie bestimmte Medikamente (z. B. gegen Krebserkrankungen).

Symptome der Herzschwäche

Die wichtigsten Symptome der Herzinsuffizienz sind vor allem Luftnot (Dyspnoe) zunächst nur bei körperlicher Belastung, im fortgeschrittenen Stadium auch in Ruhe und allgemeine Abgeschlagenheit, was zu einer herabgesetzten Leistungsfähigkeit und einer geringeren Aktivitätstoleranz führt.

Lässt die Pumpleistung des Herzens so stark nach, dass sie nicht mehr kompensiert werden kann, kommt es oft zu Flüssigkeitsansammlungen im Körper (Ödeme, z. B. in den Beinen, im Bauchraum sowie in der Lunge).

Diagnostische Möglichkeiten bei Herzschwäche

Die Symptome sind der Schlüssel zu einer frühen Diagnose der Herzinsuffizienz. Um diese adäquat zu diagnostizieren, ist neben einer allgemeinen körperlichen Untersuchung inklusive EKG, Herzultraschall, Labor auch ein Lungenröntgen wichtig.

Neben den medikamentösen Maßnahmen

z. B.: ACE Hemmer/ATII Antagonisten, Beta-Blocker, Diuretika etc., kommen je nach Ursache für die Herzschwäche auch operative Eingriffe wie Herzkatheteruntersuchungen (Coronarangiographie) bei Vorliegen einer Herzkranzgefäßverkalkung in Frage. Darüber hinaus können Herzrhythmusstörungen mit einem Herzschrittmacher oder auch einen implantierbarem Defibrillator (AICD) behandelt werden.

Bei ausgewählten Fällen besteht auch die Möglichkeit einer Kreislaufunterstützung mittels implantierter künstlicher Pumpen (linksventrikuläres Assistsystem) bzw. einer Herztransplantation.

Kontakt und weitere Informationen

Dr. Georg Fleischmann
Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie
Privatklinik Maria Hilf, Klagenfurt

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